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Ist ein Künstler ein Unternehmer?


Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

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Ich werde die Frage: Ist ein Künstler ein Unternehmer? immer mit ja beantworten. Dieses in mehrfacher Hinsicht….

  • Einmal muss ein Künstler sich mit seinem Inhalten, seinen Motiven, den Darstellungsmöglichkeiten, seinem Handwerk beschäftigen. Er unternimmt etwas und zwar ganz eigenverantwortlich und kreativ.
  • Ein Künstler muss sich damit auseinander setzen, wie finanziere ich meine Kunst und mein Lebensunterhalt. Meine Überzeugung ist, dass er hier auch als selbstständiger Unternehmer handeln muss. Selbstständig – weil jeder Mensch ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich. In diesem Sinne unternehmen heißt, sich um Sponsoren, Partner für den Verkauf, Ausstellungen und und .. zu kümmern.
  • Ein Künstler muss sich darum alleine oder arbeitsteilig mit Partnern darum kümmern, dass seine Kunst konsumiert wird. Ein Autor muss Interesse daran haben, dass seine Bücher gelesen werden, ein Maler, dass seine Bilder angeschaut, ein Schauspieler …
Ist ein Künster ein Unternehmer?

Ist ein Künster ein Unternehmer?

Es gibt sicher weitere Fassetten eines Künstlers als Unternehmer. Ich hatte in der Vergangenheit schon ein oder zweimal in ähnlicher Weise Beiträge veröffentlicht. Nun habe ich auf einer abendlichen Zugfahrt den Fokus 44 / 10 gelesen. Hier ist ein Interview von Michael Marek mit Cristo zu lesen. Es ist das erste Interview, dass ich nach dem Tot seiner Frau lese und so lautet der Titel des Artikels >>Sie war sehr streitlustig. Das vermisse ich am stärksten<<

Nach dem ich vor Jahren die Ausstellung in der Kunsthalle Rostock von Jeanne-Claude und  Cristo verfolgt habe, schaue ich bei Veröffentlichungen über die beiden noch mehr hin. In diesem Interview fiel mir neben der Verbundenheit von Cristo zu seiner Frau die klare Position von Cristo zu den Fragen:

  • Ist ein Künstler ein Unternehmer?
  • Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

auf. Hier ein drei Zitate von Cristo aus dem Artikel:

>> Kunst ist ebenfalls ein Geschäft, kein Hobby. Es ist doch töricht, das Geschäftsleben schlecht zu reden, denn Kunst ist wie Business Ausdruck menschlicher Energie.  Geschäft gehört zum Leben.<< |1| S164

>> Zum Beispiel kann Kunst nicht existieren ohne konsumiert zu werden. Ich sage immer zu jungen Künstlern: „Verkauft eure Arbeiten so schnell wie möglich!“ Nur so kommt Kunst und Geschäftsleben zusammen. << |1| S. 164

>> Ein Künstler sollte nicht gleich an die Verwertung seines Werkes denken,

Sie formulieren eine sehr romantische Vorstellung, in der es überhaupt keine Kunst geben kann. Unsere Gesellschaft kann sich den Künstler nur als Außenseiter vorstellen. Aber das ist ein Bild aus Hollywood. << |1| S. 164

Für mich passt diese Klarheit zu dem Menschen und Künstler Christo. Gleichzeitig passt diese Aussage in mein Weltbild. Wie sehen Sie die Fragen:

  • Ist ein Künstler ein Unternehmer?
  • Ist Kunst und Kommerz ein Widerspruch?

|1|  Fokus, 44 / 10 , 30. Oktober 2010,  S. 162 ff.; >>Sie war sehr streitlustig. Das vermisse ich am stärksten<<;  Interview von Michael Marek mit Cristo



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  1. Figunetik
    5. November 2010 um 19:26 | #1

    Hallo Frank, ich sehe die Frage, ob Kunst und Kommerz zusammengehen als eklatanten Widerspruch an. Nach meiner eigenen Erfahrung ist es nicht möglich, sich gleichzeitig in seiner Kunst weiterzuentwickeln und nebenher noch die (Eigen)-Vermarktung zu betreiben, weswegen es ja auch die Vertretung in Interessenverbänden und – als wichtigstes – die Galerienvertretungen gibt. Ein ernsthafter Künstler setzt sich zwangsläufig mit seinem Schaffen auseinander, er entwickelt sich, er zweifelt an sich, er schafft und/oder zerstört. Er ist darauf angewiesen, dass Sammler, Sponsoren, Galeristen, Marketingexperten sich um die Vermarktung sorgen, ihm den Rücken freihalten. Dass dies nicht immer und für jeden Künstler möglich ist, mag ja stimmen, jedoch verändert dieses Selbst-Vermarkten-Müssen die Kunst und degradiert sie zur beliebigen Gefälligkeitskunst und zur Stagnation. Nur mal als Beispiel: Ich bin als Künstler ganz besessen von der Umsetzung einer Idee, da kann ich nicht mich noch damit auseinandersetzen, wie ich diese vermarkte, denn es ist für die Umsetzung der Vision oder der Idee völlig unerheblich – wievielen Menschen sie gefallen mag oder nicht. Diese Entwicklung trage ich nur allein mit mir aus. Aber eventuell habe ich Dich mit Deiner Fragestellung auch falsch verstanden.

    • 7. November 2010 um 00:50 | #2

      Hallo Figunet,
      nun ich habe es vielleicht nicht korrekt aus gedrückt. Ich hatte Arbeitsteilung zu gelassen ;-), “Ein Künstler muss sich darum alleine oder arbeitsteilig mit Partnern darum kümmern, dass seine Kunst konsumiert wird.”

      Mir geht es mehr darum, dass ein Künstler sich bewusst ist, dass er hierfür etwas unternehmen muss, arbeitsteilig oder alleine, dazu gehört evt. auch eine Partnerschaft zu kündigen, wenn der Raum zu eng wird, die Einnahmen nicht stimmen und sich neue Partner zu suchen. Hier muss es eigenverantwortlich, selbstbewusst und selbstständig handeln – Die Freiheit sich nur seine Kunst kümmern zu können, muss sich der Künstler verdienen. Dazu gehört, Wissen, Können, Beharrlichkeit, Fleiß, Glück, Arbeit, Arbeit …
      Hier geht es den Künstlern nicht anders als Menschen anderer Berufsgruppen die Selbstständig arbeiten wollen. Klar zu dem Thema gibt es eine Menge Aspekte die zu beachten sind.

      Beste Grüße Frank

  2. 5. November 2010 um 22:37 | #3

    Hallo Frank, natürlich ist ein Künstler/in immer auch ein Unternehmer/in. Aber ich tendiere zu einer differenzierten Betrachtung. Unternehmer sein bedeutet im wirtschaftlichen Sinn auch Gewinnmaximierung im finanziellen Bereich. Und hier sehe ich das Spannungsfeld zur Kunst. Da fängt es an sich zu beißen. Kunst entsteht ja irgendwie durch sich selbst. Wer die Kunst als Gewinnmaximierung betreibt?! Das kann keine Kunst mehr sein. Viele Grüße, Margit.

  3. 7. November 2010 um 01:04 | #4

    Hallo Margit,
    danke für Deinen Beitrag. Ich kann Dir nur recht geben. Es gibt viele Unternehmer, viele Künstler, Handwerker, Händler, Indenieure die sind seit Generation gute Unternehmer, gute Kaufleute ;-) und opfern nicht Ihre Idden der Gewinnmaximierung. Da sind Künstler in guter Gesellschaft oder auch nicht.

    Beste Grüße – FRank

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