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Arme Künstler im Nordosten Deutschlands


Alles, nur kein Unternehmer? ;-)

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Seit dem 10. Mai tauchen in Mecklenburg Vorpommern immer wieder kurze Meldungen über eine Studie der Hochschule Neubrandenburg auf. Die Überschrift lautet in der Regel Studie: Arme Künstler in Mecklenburg-Strelitz.

Als Fakten werden z.B. in der dpa Meldung vom 11.05.2011 folgende Daten genannt:

  • „Das Gros der Künstler, Kunsthandwerker und anderen kreativ Tätigen in der Region Mecklenburg-Strelitz lebt von rund 1.200 Euro im Monat und damit finanziell am Limit.“
  • „Mehr als 50 Prozent der Befragten hätten erklärt, dass sie mit 17.500 Euro im Jahr oder weniger auskommen müssten. 35 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 50.000 Euro im Jahr zu haben, 15 Prozent lagen dazwischen.“

o.k. Wenn man das durchschnittliche Einkommen in Mecklenburg Vorpommern von 28.181€  kennt, ist diese zwar nicht schön, aber auch nicht überraschend. Es spiegelt die Situation eines Flächenlandes mit wenig Industrie und viel Abwanderung in der vergangenen Jahren und einer rasant alternden Bevölkerung wieder.

Arme Künstler

Arme Künstler

Der Nordkurier hatte am 11.05.2011 ebenfalls zu der Studie: Arme Künstler in Mecklenburg-Strelitz einen Artikel veröffentlicht – aber mit der Überschrift: Mehr Dialog für die Kultur erwünscht. Eine ganz andere Tonlage zur gleichen Studie ;-) Die Empfehlung der Studie heißt laut Nordkurier Mehr Förderinstrumente, mehr Dialog innerhalb der Branche, mehr Verknüpfung mit touristischen Angeboten |1|. Innerhalb der Studie machten Künstler „in individuellen Interviews ihren Problemen Luft”: Vom “Betteln” um Unterstützung bis zur “Massenabfertigung” durchreisender Touristen.“ |1|

Was ich gut finde ist, dass auf die Situation der Künstler und Kreativen hingewiesen wird. Es ist schon nicht leicht in einem Bundesland mit geringen Bruttosozialprodukt von der Kunst zu leben. Aber es ist scheinbar auch notwendig, dass den Künstlern und Kreativen der Spiegel vorgehalten wird. Der Nordkurier schreibt von einer zu geringen Vernetzung der Kreativen mit anderen Wirtschaftszweigen und zitiert Markus Wegerhoff, Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung in der Kreisverwaltung mit den Worten “klassische Netzwerk-Aufgabe”.

Noch viel mehr auf den Punkt gebracht wurden die Defizite der Kreativen von Projektleiter Prof. Dr. Peter Dehne in einem Interview am 11.05.2011 in der Sendung Kulturjournal auf NDR 1 Radio MV.  Ich habe dieses Interview durch Zufall gehört und kann den Inhalt nur sinngemäß wieder geben. Sollten mir Fehler bei der Widergabe unterlaufen sein, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

Ich habe mir aus dem Interview folgende Aussagen gemerkt.

  • Die Künstler sind nicht vernetzt.
  • Sie reden nicht mit einander.
  • Die Künstler entwickeln keine gemeinsamen Projekte.
  • Kaum einer von den Künstlern unterbreitet Angebote für Kinder.

In der dpa Meldung ist dann noch zu lesen,

„ Außerdem wünschten sich die Künstler, dass der neue Großkreis Netzwerke untereinander stärker fördere sowie einen Kulturmanager, der ihre Sprache spreche.“

Folgende Fragen bleiben bei dem Wunsch für mich ungeklärt:

  • Wer bezahlt den Kulturmanager?
  • Mit welchem Eigenanteil werden die Künstler an diesen Kosten beteiligt?
  • Werden die Künstler unter Moderation der Kulturmanager, dann untereinander reden, sich vernetzen und gemeinsame Projekte entwickeln?

Für mich sind Künstler in der Regel Freiberufler und damit selbständige Unternehmer und viele Punkte aus dem Artikel des Nordkurier und dem Interview habe nichts mit der wirtschaftlichen Situation im Land zu tun, sondern mit dem Selbstverständnis und dem Agieren der Künstler und Kreativen. Nicht umsonst hat die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung die Broschüre herausgebracht, Alles, nur kein Unternehmer?

In einem Gespräch mit Hr. Lemloh vom RKW Kompetenzzentrum Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes habe icherfahren, dass es hier durch aus verschiedene Meinungen gibt und in der Ausbildung sowie Förderpolitik der Künstler oft nicht als Unternehmer und Projektmanager gesehen wird. Umso mehr freue ich mich, dass es mir im vergangenen Jahr gelungen ist, 9 Künstler, Andreas Pasternack, Tilo Braune als einer der Väter der Eldenaer Jazz Evenings, die Stadt Greifswald, den NDR als Medienpartner, weitere Sponsoren und die Galerie im IPP zu gewinnen, um unser gemeinsames Ausstellungsprojekt Jazz meets Finearts zu realisieren. In diesem Jahr konnte ich mich wieder in eine Gruppe von Künstlern einbringen und die Blogparade: 10 Fragen zur Kunst von der Idee und der laufenden Durchführung vorantreiben. Mit dieser Blogparade als konzertierte Aktion versuchen wir recht erfolgreich im Bereich des Marketings und des WEB 2.0 besser zu positionieren, um mehr Menschen für unsere Kunst und unsere Ausstellungen zu gewinnen.  Weitere Ideen und Projekte sind Vorbereitung. Deshalb tue ich mich ein wenig schwer, wenn Künstler nach externer Unterstützung im Sinne eines Kulturmanagers rufen. Hilfe zur Selbsthilfe und die Kunst von der Kunst zu leben besser zu lernen ja. Mehr nein… denn ständige Förderung wir oft als konstante Einnahmequelle verstanden und nicht als temporäre Unterstützung für eine Unternehmung.

|1| Artikel: „Mehr Dialog für die Kultur erwünscht“ im Nordkurier vom 11.05.2011

P.S.:

Schauen Sie doch mal in die vierte Etappe unserer Blogparade. Es lohnt sich, denn am Sonntag wird Coco ein Überraschungspaket der Fa. Hahnemühle und ihren wunderbaren Akt verlosen.

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Conny Niehoff„Rückenakt“32 x 24 cm,Hahnemühle Burgund
Rückenakt (c) Conny Niehoff
Rückenakt (c) Conny Niehoff

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Hier finden Sie noch einmal alle Teilnehmer der Aktion: 10 Fragen zur Kunst

Großstadtheidi + Hellen Königs + Frank Hess + Anna Schüler Conny Niehoff + Andreas Mattern + Susanne Haun + Oliver Kohls + Frank Koebsch + Rosi Geisler

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  1. 13. Mai 2011 um 08:42

    Guten Morgen Frank,

    damit liegt das monatliche Durschnittseinkommen eines Künstlers in Mecklenburgvorpommern ungefähr im Gesamtdurchschnitt Deutschlands Künstler. Die KSK hat hier eine gute Übersicht:
    http://www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/ksk_in_zahlen/statistik/durchschnittseinkommenversicherte.php

    Ich denke mit der neuen Generation Künstler wird die Vernetzung immer stärker zunehmen.
    Sicher, wir alle wissen, wieviel Arbeit für den einzelnen Künstler in der Pflege eines Netzwerkes steckt — aber für mich wird diese Arbeit durch die Inspiration und Zusammenarbeit wettgemacht!

    Viele Grüße sendet Susanne

    • 14. Mai 2011 um 07:55

      Hallo Susanne,
      danke für Deine Zeilen und den Link. Ja es gibt verschiedene Untersuchungen zu diesem Thema und die KSK veröffentlicht immer die aktuellen Daten. Gut dieses weiß aber auch jeder, der sich mit der Idee beschäftigt, von der Kunst leben zu wollen.
      Für mich waren Aussagen, dass Künstler nicht miteinander reden, zu wenig vernetzt sind und einen Kulturmanager haben wollen, der ihre Sprache spricht, irgendwie ein Widerspruch. Entweder arbeitet dieser Kulturmanager als Mediator oder steht auf verloren Posten. Ich hätte schon Idee, aber Neubrandenburg und Mecklenburg Strelitz ist zu weit weg, um sich ein zu bringen. Damit habe ich wenigsten Zeit unsere Wochenendpläne umzusetzen.
      Beste Grüße – Frank

  2. 13. Mai 2011 um 10:55

    Hallo Frank, vielen Dank für den interessanten Artikel. Klar, zum einen ist heute wie früher längst nicht jeder Künstler auch ein guter Wirtschafter, so wie nicht jeder Ökonom Verständnis für Kunst hat. Kulturmanager sitzen heute überall – denn wenn öffentliche Mittel für Kunst und Kultur gekürzt werden, ist es eine Herausforderung, mit dem wenigen, was vorhanden ist, viel zu leisten. Kulturmanager werden in der Regel von der Stadt bezahlt und sollen die Schnittstelle sein zwischen den Künstlern und der Finanzierung von Kultur, bzw. dem Verteilen von Geld sein.
    Ich persönlich denke, dass genau das, was du, lieber Frank, im letzten Jahr bezüglich der Organisation für die Ausstellung in Greifswald geleistet hast, dem Tätigkeitsfeld eines Kulturmanagers nahe kommt. Also: Geldbeschaffung/Sponsoren, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung sowie Vermittlungs- und Koordinationsaufgaben. Und das hast du ehrenamtlich gemacht. Dafür nochmal vielen, vielen Dank.
    LG von Rosie

    • 14. Mai 2011 um 08:02

      Hallo Rosie, danke für Deine Zeilen. Du hast recht, ein guter Künstler, ein guter Handwerker oder ein guter Ingenieur zu sein, bedeutet nicht das betriebswirtschaftliche Handwerkszeug und die Vermarktung zu beherrschen. Aber mit einander reden, sich austauschen, das gehört immer dazu und nicht “nur” das Schreien nach einem Manager. Der kann nicht helfen, wenn man nicht reden will ;-) Ach neues Geld aus einer Förderung ist “morgen” wieder alle.
      Na klar bei der Ausstellung in Greisfwald habe ich es gemacht und werde auch in Zukunft so unterwegs sein. Mal sehen, was wir noch so anstellen können….

      Liebe Grüße – FRank

  3. 14. Mai 2011 um 11:35

    …auch hier im Süden ist für einen Künstler der Segen nur mit ‘Sich-Regen’ verbunden. Persönliches-Marketing ist gefragt. ‘Gelebte Kommunikation’ – wie ich sie bei Susanne Haun sehe & empfinde… ist der Schlüssel zu einem größeren
    Bekanntheitsgrad und somit möglicherweise der Zugang zu größeren Verdiensten…

    kreative Grüße, Peter

    • 14. Mai 2011 um 22:55

      Hallo Peter,
      tja was soll ich sagen, nur Regen bringt Segen, hätte meine Oma gesagt.
      Ich war kurz auf Deiner Seite, hm vielleicht lohnt es sich ja über eine gemeine Idee von Text und Bild, von Süd und Nord nachzudenken? ;-)
      Was meinst Du…

      Ich wünsche Dir einen schönen Abend – Frank

  4. Autor
    14. Mai 2011 um 16:18

    Ein wirklich mal interessant aufbereiteter Artikel über die Situation der Künstler im NO Deutschlands, denke auch, dass es – wie Susanen Haun schon anmerkt – in D ungefähr überall ähnlich ausschaut. Dennoch ist der herkömmliche Weg über die Institutionen,welche den Künstler vertreten mit nichts anderem wirklich zu ersetzen, auch nicht mit noch so einfallsreichem Self-made-Marketing usw. Der Künstler ist eben nicht zwingend ein “Unternehmer”, sondern eben ein Kreativer, der auf die Förderung durch Mäzenatentum ua. Möglichkeiten anwiesen ist. Er kann nicht gleichzeitig neue Ideeen verwirklichen und im selben Moment dann eine Strategie zur Selbstvermarktung haben. Ich denke da immer an Bob Ross, der sicher gut davon gelebt hat, sich dauernd und ständig zu promoten,aber er ist für meine Begriffe kein Künstler im engeren Sinne, sondern ein Entertainer, der sich nach oben geschossen hat.

    • 14. Mai 2011 um 23:13

      Hallo Figunetik,
      Bei Bob Ross stimme ich Dir zu. Bei den Künstlern, die gefördert werden “müssen”, Nicht !!!!!. ;-)
      Warum werden dann keine Hebammen, Kita Erzieher, Lehrer mit mehr Freizeit, Geld und Anerkennung durch die Gesellschaft ausgestattet. Wo ist der Unterschied zu anderen Kreativen Freiberuflern, WerbeGrafikern, Architekten, Designer, Beratern, …? Wodurch meinen Künstler diesen Anspruch verdient zu haben?
      Ich kenne etliche Künstler, die den Spakat gut hinbekommen, in Netzwerken agieren, mit anderen reden sich kümmern und es schaffen, die verdienen aus meiner Sicht auch die gesellschaftliche Anerkennung. Hier unterscheiden sich meiner Meinung Künstler nicht von anderen Berufen. Mit welchem Recht?

      Beste Grüße – Frank

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