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Aquarellpapier


Aquarellpapier

Die Suche nach dem richtigen Aquarellpapier

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Pinsel und Farben / neue Palette

Pinsel und Farben / neue Palette

Die Wahl des Aquarellpapiers beeinflusst die Malweise und damit auch das fertige Aquarell. Immer wieder bekomme ich Anfragen, wie ich dieses oder jenes mache, wie ich Lasuren aufbaue oder mit den Verläufen arbeite. Egal ob nun Malschüler oder Menschen, die Freude an der Aquarellmalerei haben oder die  meine Videos z.B. Aquarell Step by Step – Faszination Karussell als Video oder Aquarell einer Distel von Frank Koebsch – step by step sehen, stellen dieses Fragen. Oft habe ich das Gefühl, dass als Antwort ein ganz einfaches Rezept erwartet wird, das jeder sofort umsetzen kann. Nun die Antwort ist auch ganz einfach, nur setzt sie voraus, dass die gleichen Aquarellfarben, die gleichen Pinsel und das gleiche Papier genutzt wird. Die Frage nach der besten Aquarellfarbe? habe ich schon beantwortet, bei Aquarellfarben benutze ich zu 90% Schmincke. Diese Antwort gilt unabhängig von der Wahl des Motivs oder ob ich auf Aquarell auf Leinwand oder verschiedenen Papiere male. Bei den Aquarellpinseln ist die Antwort nicht ganz so einfach, es kommt sehr stark auf die Malweise und das Motiv an. Aber welches Papier sollte man nutzen?

Aquarellpapier (c) Frank Koebsch

Aquarellpapier (c) Frank Koebsch

Arten von Aquarellpapier

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Ich hatte bereits in dem Artikel Papier in der Aquarellmalerei ein wenig zu diesem Thema geschrieben. Aber es gibt eine sehr große Anzahl von Papierherstellern, jeder stellt Papiere mit unterschiedlichen Qualitäten und Oberflächen her und nutzt auch noch unterschiedliche Bezeichnungen. Die verschieden Oberflächen werden z.B. eingeteilt in Satiniert, Feinkorn, Grobkorn, Matt, Rau, Torchon, …. Jeder kann sich durch Fühlen und Sehen einen Eindruck von den verschiedenen Oberflächenstrukturen verschaffen. Aber wenn man wissen will, wie sich die Farben auf den verschiedenen Papieren verhalten, spielt noch eine weite Eigenschaft eine Rolle – die Saugfähigkeit des Papiers, die mit der Verarbeitung unmittelbar zusammen hängt. Satinierte Papiere besitzen eine „glatte“ Oberfläche, die durch mehrmaliges Walzen der Papiere entsteht. Die Oberfläche eines satinierten Papiers nimmt damit aber viel weniger Wasser auf, wie ein handgeschöpftes Papier, ein Büttenpapier. Die Erklärung hierzu ist einfach, denn durch das Walzen und Pressen, werden die Papiere zusammen gedrückt und die auch die Papierpartikel an der Oberfläche ausgerichtet. Dann gibt es noch die Begriffe heiß- und kaltgepresst. Dieses sind weitere Spezifikationen für das Satinieren. Beim Satinieren / Pressen mit Hitze entstehen freikörnige Papiere. Wird das Satinieren ohne Hitze entstehen matte oder raue Papiere. Dann gibt es noch die Möglichkeit bei Pressen der Papiere ganz bewusst verschiedene Oberflächen im Papier zu erzeugen, seien es Rillen oder Gitterstrukturen. Die bekannteste Bezeichnung hierfür ist der Begriff – Torchon. Torchon bezeichnet eine Oberflächenstruktur, die man am ehesten als grobe Leinenstruktur bezeichnen kann.

Papierauswahl (c) Frank Koebsch

Papierauswahl (c) Frank Koebsch

Oft liest oder hört man, dass ein Künstler nur satiniertes Papier benutzt. Diese Aussage ist wenig wert, denn sie besagt nur, dass kein handgeschöpftes Papier genutzt wird. Diese Aussage lässt offen, ob es ein raues, mattes, feinkörniges Papier ist und möglich noch eine besondere Oberfläche, wie das Torchon hat.

Dazu kommt noch, dass sich die Papiere mit gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen verschiedener Hersteller durch aus ganz verschiedene Eigenschaften beim Aquarellieren haben können.

Fazit:

  • Die verschieden Oberflächenstrukturen der Papiere beeinflussen das Fließverhalten der Aquarellfarben sehr stark.
  • Die Brillanz, die Leuchtkraft eines Bildes wird bei gleichem Farbauftrag  u.a. dadurch beeinflusst, wie saugfähig ein Papier ist.

Grammatur des Aquarellpapiers

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Hahnemühle Echt-Bütten Aquarellkarton „Leonardo“

Hahnemühle Echt-Bütten Aquarellkarton „Leonardo“

Ich male „nur“ auf Papieren mit einem Gewicht von 300 g / m2 und mehr. Nicht weil man auf dünnerem Papier nicht malen kann, sondern weil ich faul oder bequem bin. Ich möchte nicht das dünne Papier vor dem Malen einweichen und aufleimen oder auf einem Brett verkleben müssen. Ich arbeite meist auf Papieren mit einem Gewicht von 300 g / m2 auf rundum verleimten Blöcken. Durch die Wahl dieses Papiergewichtes auf rundum verleimten Blöcken verhindere ich, dass sich das Papier stark wellt, auch wenn ich meine Aquarelle Nass in Nass male.

Mit der Wahl des Papiergewichtes von 300 g / m2 und mehr, wähle ich in der Regel auch weitere Eigenschaften des Papiers. Die schweren Papiere nehmen mehr Farbe auf, ich kann mehrere Farbschichten als Lasuren übereinander legen, ohne dass das Bild stumpf wirkt. Ich kann Teile des Bildes wieder auswaschen, ohne dass die Papieroberfläche in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die Wahl des Aquarellpapiers

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Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur entsprechend dem gewählten Papier eine passende Malweise. Bei der Suche nach dem für Sie richtigen Aquarellpapier sollten Sie sich Zeit lassen. Meine Empfehlung ist, verzichten Sie auf Billigpapiere und die Hausmarken der Großhändler. Diese Papiere können gut sein, doch ob es diese Papiere in drei oder zwölf Monaten noch in der gleichen Qualität vom selben Hersteller gibt, ist fraglich. Ich habe mich in der Regel über diese Papier geärgert und nutze die Restbestände als Schmierpapier. ;-)

Kaufen Sie auch nicht gleich mehrere Blöcke oder Bögen des teuersten Papiers. Meine Empfehlung ist es, fragen Sie Bekannte, andere Malschüler, Mallehrer, Künstler, ob Sie zwei / drei Blatt des Papiers bekommen können, dass Sie interessiert oder Ihnen empfohlen wird. Probieren Sie verschiedene Papiere aus, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, welches Papier Ihnen liegt. Die Wahl des Papiers wird ganz wesentlich dadurch bestimmt, welche Mahlweise Sie nutzen, was Ihnen liegt. Wenn Sie Malschüler sind und erst wenig Erfahrung haben, sollten Sie grundsätzlich das empfohlene Material Ihres Kursleiters nutzen. Bitte Sie in den Kursen, immer wieder darum, dass ein wenig Materialkunde gemacht wird, dass Sie die Chance haben Dinge zu hinterfragen und auszuprobieren.  Ausprobieren ist wichtig, extrem wichtig, denn man muss ein Gefühl dafür haben,

  • wann und wo mache ich das Papier nass, bevor ich den ersten Farbauftrag auftrage,
  • wann gebe ich bei einer Malweise Nass in Nass Farbe hinzu,
  • wie kann ich zu mindestens grob, die Verläufe der Farben steuern,
  • wann kann ich die nächste Lasur auftragen, ohne dass die Farben in einander verlaufen,
  • wie viel Pigment muss ich auftragen, um den gewünschten Farbton nach dem Trocknen zu erhalten,
  • ….

Ganz sicher in diesem Fall, geht probieren über studieren. Was mich interessiert ist,

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit welchem Papier gemacht?

  • Welches Aquarellpapier ist Ihr Favorit?

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P.S. Hier finden Sie die anderen Artikel der zum Aquarellpapier

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  1. 7. Februar 2012 um 10:33 | #1

    Hallo, Frank, sehr interessant, was du da über Papiere schreibst. Ich komme z.B. mit satinierten Papieren nur schwer klar, mir ist die Oberfläche zu glatt. Aber jeder muss da sein eigenes Papier finden.
    Ich habe einige Lieblingspapiere, die ich hauptsächlich verwende:
    Hahnemühle Awuarell-Bütten 300 g/m² rauh
    Hahnemühle Jubiläumsblock 425 g/m²
    Diese eigenen sich für meine bevorzugte Kombination von Aquarellmalerei und Tuschezeichnung hervorragend. Ersteren liebe ich auch wegen seiner Struktur für Blumenaquarelle und Details.
    Leonardo ist toll, wenn die Farbverläufe sehr weich werden sollen – ein ganz besonderes Papier, hochpreisig, aber lohnenswet.
    Gelegentlich verwende ich auch den Bamboo Mixed Media… das Papier verhält sich völlig anders, saugt wesentlich weniger und man kann länger in der “offenen Farbe” weiterarbeiten. Bamboo nutze ich auch für Gouache-Malerei, wenn ich Entwürfe für Acrylbilder mache.

    Herzliche Grüße
    Cordula

    • 9. Februar 2012 um 16:29 | #2

      Hallo Kordula,
      danke für Deine Zeilen. Steffi ist eine Aquarellistin, die sehr gerne auf satiniertem Papier malt schaue mal http://gartenmalereien.blogspot.com/
      Es ist auch nicht mein Favorit. Ich male oft Serien zu den einzeln Motiven und male so manches Mal innerhalb einer Serie auf verschiedenen Papieren, um mich auszuprobieren oder Gestaltungsräume zu haben. Ich werde dieses in den nächsten Tagen mal an Beispielen vorstellen.

      Leonardo hat schon was ;-), dass Bamboo Mixed Media ist nicht mein Favorit, aber viele Hahnemühle Papiere liegen mir.

      Es gilt für mich eines ohne ordentliches Papier und andere Materialien kann man viel schlechter gute Ergebnisse erzielen.
      Beste Grüße von der Ostsee nach Berlin

      Frank

  2. 7. Februar 2012 um 13:20 | #3

    Hallo Hr. Koebsch, ein Versuch einer Antwort befindet sich auf meinem Blog.
    Mein Favorit ist das italienische Fabriano, nicht nur als Aquarellpapier, sondern auch im Kunstdruck- und Serigraphiebereich ist es absolut einzigartig. Ich habe Tonnen von diesem Papier schon verdruckt, vermalt … Einmal habe ich sogar unseren Aufzug überladen, bin mit meinem Fabriano abgestürzt und musste geborgen werden (lach). Zurzeit benutze ich allerdings das Lana-Papier aus Frankreich.
    Gruß
    TW.

    • 9. Februar 2012 um 16:19 | #4

      Hallo Wloka,
      danke für Ihre Zeilen. Lana Papier auch meine Frau sehr gerne, sie schwört darauf. Aber im Zusammenhang mit dem Fabriano bin ich erst einmal froh, dass die Bergung aus dem Aufzug erfolgreich war, denn sonst könnte ich nicht immer wieder in Ihrem Blog stöbern gehen. Das Fabriano ist klasse ;-) hat natürlich auch seinen Preis. Ich hatte in der Vergangenheit als Favoriten Papiere von Windsor Newton, aber die gibt es nicht mehr. Aber in Bezug Drucktechniken muss ich mal bei Ihnen stöbern gehen, denn diese habe ich noch gar nicht wahr genommen.
      Noch viele Grüße mit der Malerei und im Netz
      Frank Koebsch

  3. 7. Februar 2012 um 18:34 | #5

    Danke für deinen Superbeitrag ! Ich bin ganz deiner Meinung es gibt kein richtig oder falsch. Ich male z.B auf mind. 300g Papier heissgeprest satiniert am liebsten von Arches. Das ist so wie ich weiss, nicht sehr typisch, die meisten malen lieber auf kaltgepresstem. Ich male ja aber auch sehr akkribisch genau, teilweise schon im Stil der botanischen Malerei. Für nass in nass denke ich, ist es vom Verlauf toll mit Arches 600g rauh.

    Zur Zeit male ich aber mit Papier von der Rolle es ist sehr günstig muss natürlich aufgezogen werden und ist so also auch nicht schlecht.

    Hach ich komme ja gerade vom arbeiten, jetzt habe ich aber geade Lust ins Atelier zu
    steigen
    Also Tschüssikowski und Happy Painting ihr Armen Nordländer. Hält die Nase noch im Gesicht? (Wegen der Kälte)

    • 9. Februar 2012 um 16:08 | #6

      Hallo Steffi, Danke für die Grüße an die Nordländer aus der Schweiz. Es ist interessant, zu erfahren wie und auf welchen Papieren andere Malen. Es ist so wie Du schreibst, jeder muss entsprechend dem Motiv, der möglichen Umsetzung und der Maltechnik sein Papier finden. Ich habe noch nie mit Papier gemalt, welches ich aufziehen muss. Was was nicht ist kann ja noch werden. Bisher war ich immer zu faul dazu ;-)

      Beste Grüße von eisigen Ostsee in die Berge
      Frank

  4. Carola Peters
    9. Februar 2012 um 12:20 | #7

    Hallo Herr Koebsch,
    seit ein paar Wochen male ich wieder und bin ebenfalls dabei, die unterschiedlichen Papiersorten zu entdecken. Momentan ist es das reinste “Abenteuer” :)
    Viele Grüße aus dem Süden
    Carola Peters

    P.S. Auch ich liebe die Ostsee sehr!!!

    • 9. Februar 2012 um 16:00 | #8

      Hallo Frau Peters,
      danke für Ihren Kommentar und viel Spaß mit Ihrem Abenteuer ;-) Auf dieser Entdeckungsreise kann, man aber viel lernen, was sich später bei jedem Bild bezahlt macht. Wichtog ist zu dem Papier die passen Malweise zu finden. Ich werde hierzu in den nächsten Tagen einen Blogartikel schreiben und an zwei / drei Papierarten verschiedene Möglichkeiten zeigen. Schauen Sie doch mal wieder auf meinen Blog, vielleicht hilft Ihnen der kommende Artikel bei Ihrem Abenteuer.

      Beste Grüße von der Ostsee in den Süden
      Frank Koebsch

  5. Einar
    14. Februar 2012 um 19:38 | #9

    Hallo,
    die Erfahrungen mit Aquarellpapier kann ich dahin gehend bestätigen, dass bei größeren Formaten mindestens 300g/m² von Vorteil sind. Ich habe kürzlich einmal wieder auf 200g/m² gemalt und mich gewundert, wie dünn das Papier ist und welche Wellen entstehen. Vieleicht lag es aber auch an der Produktionscharge.Für meine Malweise habe ich heraus gefunden, dass mattes Papier am Besten ist (Hahnemühle Bütten, 300g matt oder lanaquarelle). Papier mit “Torchon”- Oberflächen eignen sich nicht für alle Motive, finde ich. Bei handgeschöften Papieren (Lessebo Papersbruk) habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, zum Teil gute aber häufig bin ich mit der groben Oberfläche und der hohen Saugkraft nicht so gut damit zurecht gekommen (ähnlich wie die groben Arches- Papiere). Für Auswaschungen sind die handgeschöpften Paiere allerdings ausgezeichnet.
    Fazit: Es kommt darauf an, was man kann und was man will.

    Viele Grüße

    Einar

    • 16. Februar 2012 um 11:00 | #10

      Hallo Einar,
      danke für Deine Zeilen und Deine Erfahrungen. 200er Papier ??? würde ich nur angefeuchtet und dann aufgespannt oder geleimt nutzen. Aber dieses liegt an meiner Malweise. Das wichtigste ist glaube ich, Dein letzer Satz: ” Es kommt darauf an, was man kann und was man will.”

      Beste Grüße und viel Spaß beim Malen
      Frank

  1. 26. Februar 2012 um 13:41 | #1

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