Gedanken über (m) eine Vita


Gedanken über (m) eine Vita

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Hanka und Frank Koebsch

Hanka und Frank Koebsch

Meine Frau Hanka und ich stellen seit 2001 unsere Aquarelle und Pastelle aus. Es begann als Hobby und nimmt immer mehr Zeit in unserem Leben ein. Dazu gehört auch, dass wir in den Ausstellungen unsere Vita hängen und diese im Internet ebenfalls veröffentlichen, um den Menschen ein wenig über uns und unsere künstlerischen Werbegang zu erzählen. Doch…

  • Wen interessiert eigentlich, was in der Vita steht?

  • Wie sollte eine Vita aufgebaut sein?

  • Was sollte in einer Vita stehen und was nicht?

Wenn wir Menschen in verschiedenen Ausstellungen beobachten, schauen sich die Besucher die Viten kaum oder gar nicht an. Kennen die Menschen, die die Ausstellungen besuchen, die Künstler alle? Wenn ich überlege, wann wir in Ausstellungen gehen, dann sind dieses oft Ausstellungen von uns „bekannten“ Künstlern oder Ausstellungen, die im Vorfeld über die Medien unser Interesse geweckt haben. Das bedeutet, wir haben uns im Vorfeld ein wenig informiert, hier muss nicht der Künstler im Mittelpunkt stehen, sondern das Thema oder die pure Lust am Entdecken. In den Ausstellungen  lassen wir Bilder, Objekte, Skulpturen auf uns wirken. Es sind oft Ausstellungen von uns total unbekannten Menschen. Typische Beispiele für solche Ausstellungen, die uns locken, ohne dass wir alle Künstler wirklich kennen, sind das Fotofestival Horizonte in Zingst,  die Kunstbörse der OstseeZeitung in der HMT oder …. Erst wenn uns wirklich etwas gefällt, schauen wir uns nach weiteren Informationen über den oder die Künstler um. Ein Flyer, eine Visitenkarte mit einigen Informationen insbesondere mit der Web Seite und Kontakt Daten sind dann willkommen. Dann erst schauen wir wenn überhaupt vielleicht noch einmal flüchtig auf den Vita der Künstler in der Ausstellung.

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Wann schauen Sie sich die Vita eines Künstlers an?

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Durch die Ausstellungen, durch Veröffentlichungen, Presseberichte, durch unsere Web Seite, Facebook, … und nicht zu vergessen diesem Blog hat sich die Bekanntheit von meiner Frau und mir positiv entwickelt. Es werden so manches Mal unsere oder mein Name mit Google & co. gesucht. Die häufigsten Keyword mit denen dieser Blog im den vergangenen 365 Tagen gefunden wurde, waren mit 10,6 % Aquarelle, 5,8 % Aquarell und 3,7 % Frank Koebsch. Schön, dass bereits an dritter Stelle mein Name auftaucht, aber 96,3% aller Menschen haben etwas anderes gesucht ;-) Aber vielleicht haben sich die Menschen, nach dem sie meine Aquarelle gesehen haben, sich ja dafür interessiert, wer die Bilder gemalt hat. Dann wäre es vielleicht zu erwarten, dass Sie meine Vita lesen. Wenn die Besucher dieses Blog nach dem Verlassen der Startseite weiter surfen, haben sie sich zu 0,5% meine Vita auf diesem Blog angeschaut.

Hm, es ist im WEB also wie im wirklichen Leben. Die Menschen interessieren sich für die Bilder und die Artikel zur Malerei. In den Ausstellungen merken wir auch ein steigendes Interesse, daran mit uns ins Gespräch zu kommen, etwas über die Entstehung, die Geschichten hinter den Bildern zu erfahren. Aber die Vita schaut sich kaum einer an.

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Für wen schreiben Künstler Ihre Vita?

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Hr. Dr. Peter Funken im Gespräch mit Frank Koebsch (c) Peggy Blankenburg

Hr. Dr. Peter Funken im Gespräch mit Frank Koebsch (c) Peggy Blankenburg

Es gehört zum guten Ton den Menschen, die die Ausstellung eröffnen und der Presse, den  Lebenslauf  zur Verfügung zu stellen. Einige übernehmen auch einige wenige Eckdaten, andere nicht ;-). Z.B. hat sich  Herr  Dr. Peter Funken, Kunstwissenschaftler, als er die einleitende Worte bei unserer Ausstellung Flughafen Berlin Tegel, eine Hommage  gehalten hat, die Viten der ausstellenden Künstler kommen lassen.  Doch er hat sich mit wesentlich größerem Aufwand vor der Eröffnung die Ausstellung angeschaut und sich mit den ausstellenden Künstler (Christiane WeidnerSusanne Haun und mir) unterhalten. Hierbei ging nur in einer Frage um meinen Lebenslauf, meinen Studienabschluss, meine berufliche Tätigkeit – damit verbunden, dass ich Autodidakt bin. Alle anderen Fragen von Hr. Dr. Funken zielten auf Maltechnik, Motive, Perspektive, Herangehensweise, Motivation für die Ausstellung … In ähnlicher Weise gestaltete sich die gesamte Einleitung zu der Ausstellung und den Künstlern.

Fast die gleichen Erfahrungen habe ich auch mit den Interviews z.B. für die Zeitschrift atelier, Porträts in der Ostsee Zeitung oder der Zusammenarbeit mit dem NDR gemacht.

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Schreibt man eine Vita nur für die Bewerbungen und das Ego?

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(m)eine Vita (c) Frank Koebsch

(m)eine Vita (c) Frank Koebsch

Was bleibt sind die Selbstdarstellung des  Künstler und die Bewerbungen. Bewerbungen für Ausstellungen, Stipendien, Kunstwettbewerbe, …. Hier die richtige Form zu treffen, ist schwierig. Es gibt nur wenige Bewerbungsverfahren, die sich ganz auf die Bewertung der Kunst, der Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, … verlassen. Oft steht der sich bewerbende Künstler im Mittelpunkt und hierzu muss der Künstler gekannt sein, die Vita und der Pressespiegel müssen stimmen. Über das wie eine Vita gestaltet werden sollte, wurden schon ganze Bücher geschrieben, Seminare gehalten, nächtelange Diskussionen geführt und viel, viel Beratung verkauft. Da ich dabei bin, mir zu überlegen, mit welchen Themen ich mich wo für das nächste Jahr bewerbe, habe ich auch angefangen meine Gestaltung der Vita zu überarbeiten. Hierzu ist es interessant zu schauen, wie es andere machen. Hier einige Links als Beispiele für verschiedenste Viten von Künstlern auf deren Seiten ich gestöbert habe : Iris VitzthumKerstin Mempel, Malte Brekenfeld, Susanne Haun, Sven OchsenreitherVolker Kurz, …

Letztendlich kommt es ganz alleine darauf an, die Menschen zu reichen, die die Entscheidungen fällen und wonach dieses Menschen entscheiden ….???

Schauen Sie doch mal auf meine Vita auf diesem Blog und die Vita auf unserer Web Seite. Noch unterscheiden die beiden sich.

Ich hoffe nur, dass ich durch eine neue Vita kein anderer Mensch werde ;-)

  1. 31. Juli 2012 um 10:18

    Hallo Frank, ich finde es immer mal wieder irritierend, wenn mir ein Künstler die vielen beruflichen Stationen seines Vor-künstlerischen Lebens ZUERST aufzählt und dann endet (sinngemäß) “und jetzt bin ich Maler/Bildhauer”. Ich glaube dann rauszuhören, dass sich dieser Mensch seines Künstler-seins vielleicht nicht so sicher ist, wenn er einen Nicht-künstlerischen beruflichen Werdegang so ausführlich darstellt. Ich will von einem Künstler Kunst kaufen und ihn nicht zu einem Bewerbungsgespräch einladen.
    Mich interessiert eher das aktuelle Leben und Wirken eines Künstlers bzw. was ihn zum Künstler werden bewogen hat. Ganz uninteressant finde ich unter der Überschrift “Vita”, die Auflistung der Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen der letzten 100 Jahre. Ungnädig werde ich auch, wenn mir ein typographisch unangenehm zu lesender Text zugemutet wird, wie Schnörkelschrift, senfkorn-klein oder weiß auf schwarz.
    Ein Künstler-”Statement” hingegen lese ich meistens gerne, wenn ich den Eindruck habe, der Künstler versucht mir tatsächlich etwas über seine Kunst zu sagen, und mich “von Mensch zu Mensch” anspricht. (Falls Du ein gut klingendes deutsches Wort für “statement” kennst, sag es mir bitte)
    KünstlerIn muss sich über Selbstdarstellung/Selbst-Marketing/Außenwahrnehmung immer wieder Gedanken machen. Ich finder es sehr gut und wichtig, dass Du diese Themen ansprichst
    Viele Grüße,
    Martina

  2. 1. August 2012 um 11:00

    Hallo Martina,
    Danke für Deine vielen Zeilen. Ich fange mal mit dem wichtigsten für mich in Deiner Antwort an.

    Ja die Statements, Aussage zu der Ausstellung, der Werkreihe sind auch die Dinge, die mich interessieren. Deine Zeilen – Statement zu Deinen Jazzdrawing sind sehr gut. Auch ich weis kein besseres Wort. Ich versuche dieses immer in der Ausstellungsankündigung, der Presseinfo und bei der Ausstellungseröffnung zu transportieren, da wie doch viele Thema anfassen.

    Wenn eine Vita, dann muss ich sie schnell erfassen können, alles andere stört. Wobei mich die Vita wie geschrieben, meist kaum interessiert.

    In einem gebe ich Dir ebenfalls recht. Ich gehe in eine Ausstellung oder unterhalte mich mit einem Künstler, weil mich seine Kunst interessiert. Der berufliche Werdegang mit Informatikstudium wie bei mir ist dort eher störend. Zu den Dingen die man anfasst, sollte man stehen. ;-)
    Klar spielt mein bisheriges Leben eine Rolle in der Art und Weise, wie ich Dinge sehe, angehe und transportiere, aber wenn ich Bilder ausstelle, interessiert sich kaum einer dafür, dafür das ich Dipl.Ing für … bin. Bei meinen farbintensiven Jazzaquarelle, ist schon eher interessant warum ich Jazz Bilder male, warum so und nicht anderes. Ich könnte heute keine Aquarell zu einem Sonett malen, ich mag es gerne kräftig, poentiert, ein wenig unvorhersehbar, aber auch den Swing, das fließen ….
    Da schließt sich wieder der Kreis zum Statemant.

    Beste Grüße – Frank

    • 1. August 2012 um 11:21

      Du schreibst: “…ich mag es gerne kräftig, poentiert, ein wenig unvorhersehbar, aber auch den Swing, das fließen ….” Das ist ein schönes aussagekräftiges “statement”. Wenn ich Deine Jazzaquarelle noch nicht kennen würde, wollte ich sie jetzt sofort sehen. :-)
      Danke für Deine vielzeilige Antwort. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Über solche Themen könnte ich stundenlang diskutieren.

      • 3. August 2012 um 16:48

        Hallo Martina,

        danke für Deine Antwort – ja man kann auf dieses Weise viel transportieren. ;-)
        Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende – Frank

  3. 1. August 2012 um 11:47

    Die Aussteller und Besucher, die sich für die Vita interessieren, suchen nach berühmten Namen, da macht sich der Abschluß einer Kunsthochschule gut und noch besser ein Meisterschüler von Prof.XY. Nach meinem Gefühl werden sogenannte Autodidakten natürlich zu Unrecht) als Dilettanten abgetan. In Deutschland gilt der Abschluß garantiert mehr als das, was Du wirklich kannst. Übrigens, statement würde ich spontan mit Stellungnahme übersetzen…
    Liebe Grüße aus Berlin

    • 3. August 2012 um 16:59

      Hallo Maike,
      danke für Deine Antwort. Nun so wie Du erschreibst, haben wir wohl alle unsere Erfahrungen gemacht. Ich entwickle deshalb viele Projekte und Ausstellungen mit anderen Künstlern und Partnern gemeinsam oder alleine. So füllt sich die Vita und der Pressespiegel mit guten Dingen, so dass ich über so manche Dinge lachen kann ;-), wenn auch nicht immer …
      Beste Grüße von der sonnigen Ostsee nach Berlin
      Frank

  4. 2. August 2012 um 08:39

    Ja, Frank, für mich war das auch sehr interessant, auch wenn ich “nur” Autodidakt bin und längst nicht so weit bin wie Du und viele Maler, von denen ich gerne Beiträge auf facebook ansehe. Darum hab ich es auch nicht gewagt, was zu schreiben.
    Nun will ich Dir aber sagen, dass der Beitrag auch für mich interessant ist. Bin nämlich auch immer wieder am Überlegen, was ich in meine Vita (Homepage/ Ausstellungen) schreibe und was nicht. Was will ich den Leuten über mich und meine Beweggründe mitteilen und was nicht…
    Herzliche Grüße aus Bitterfeld

    • 3. August 2012 um 17:05

      Hallo Gabriele,
      Danke für Deine Zeilen. Schaue auf die Zeilen in den Kommentare von Martina Wald. Wenn es nicht sein muss und man nicht anderes von Dir verlangt, schreibe ein Statement, ein paar Sätze was Dir an Deiner Malerei wichtig ist. Menschen, die sich für Deine Malerei interessieren, können damit viel mehr anfangen und es hilft einem selbst, darüber nachzudenken…
      Beste Grüße von der Ostsee nach Bitterfeld
      Frank

  5. 19. August 2012 um 18:39

    Hallo,
    diese Frage hat mich jetzt neugirig gemacht.Denn die habe ich mir auch schon oft gestellt.
    Aus den kommentaren lese ich heraus,dass meine Idee die Vita -Roswitha anders zu schreiben doch richtig ist. Das gefällt mir.
    Denn mir ging es bis jetzt auch so wenn man irgendwo ausstellt wollen die Besucher immer
    etwas zu den Beweggründen des Bildes hören.
    Manchmal wusste ich gar keinen und aus dem Gespräch heraus entwickelte sich ein tolle
    Bildergeschichte.Es hat bisher niemanden interresiert was wann wo ich was gelernt habe.
    Ich denke das Ergebniss des lernens ist wichtig. Wünsch euch weiterhin viel Erfolg .
    Herzliche Grüsse aus dem 36° warmen Schwarzwald. Roswitha

    • 20. August 2012 um 20:53

      Hallo Roswitha,
      die Antwort ist ganz einfach. Wenn es um die Menschen geht, die unvoreingenommen die Ausstellung besuchen, sollte man den Menschen etwas zu den Beweggründen erzählen.
      Bei einer Bewerbung in einem Kunstverein, einer Galerie bewirbst kann es richtiger sein, sich mit seinem künstlerischen Werdegang zu bewerben.
      Also sehen bei uns die Viten in den Ausstellungen anders aus, meist mit einem Themen bezogen Statement. Für die Bewerbungen sende ich dann die Vita und den Pressespiegel aus dem Blog. Ob dieses richtig ist ??? Nach meinen Erfahrungen ja. Leider ;-)
      Beste Grüße -Frank

  6. 11. Mai 2013 um 20:56

    Hi, frank danke für deine Tipps auch ich brauchte einen Künstlerstatement, weiss aber nicht so gut wie ich eins schreiben sollte, ich schaue auf jedenfall gleich mal deiner an, danach von die andere Künstler die du hier genannt hast, ich hoffe es hilft mir ein wenig weiter

    lg aus Bielefeld

    • 13. Mai 2013 um 10:20

      Guten Morgen, beste Grüße von der Ostsee nach Bielefeld und Dir viel Glück mit Deiner Ausstellung – Frank

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