Gedanken zum Künstlerportrait – Harding Meyer in der Palette 4/2009 *1)


Vom Titelbild der Palette 4 / 2009 und aus dem Artikel schauen dem Leser viele interessante Gesichter an. So verwundert es nicht, dass Fr. Dr. Ulrike Fuchs, als Titel des Artikels über den Besuch im Atelier von Harding Meyer den Begriff „Gesichter“ gewählt hat. Es sind beeindruckende und interessante Gesichter mit ganz unterschiedlichen Ausdruckweisen von ganz unterschiedlichen Charakteren und fast alle Bilder haben keinen konkreten Bildhintergrund….

Ich beginne den Artikel zu lesen und bin gespannt mehr über den Künstler, seine Arbeitsweise und die Menschen auf den Bildern zu erfahren. Mich interessieren auf jeden Fall, die abgebildeten Menschen, denn wenn ich ein interessantes Gesicht sehe, beginne ich automatisch zu überlegen, was sich dahinter wohl für ein Mensch verbirgt. Ich glaube dieses läuft im täglichen Leben, bei jedem fast unbemerkt ab. Man sieht einen Mensch mustert ihn, macht sich einen Eindruck, von der Gestalt, dem Auftreten, der Ausstrahlung und dem Gesicht. Innerhalb von ein zwei Sekunden ist diese Ersteinschätzung fertig. Dieses läuft unbewusst ab, egal ob bei einem Termin in meinem Job oder jetzt auf der Zugfahrt nach Hause, wenn ein neuer Fahrtgast das Abteil betritt. Weckt etwas mein Interesse, werde ich neugierig und versuche zu ergründen, was es für ein Mensch ist. So geht es mir auch bei den Bildern von Harding Meyer. Aber meine Neugier, nach den Menschen auf den Bildern, wird nicht gestillt. Warum?

Frau Dr. Fuchs benutzt den Begriff „Kopfjäger“ und beschreibt, dass Harding Meyer die Menschen auf den Bildern gar nicht persönlich kennt. Er hat seine Köpfe auf einer Anregung aus dem Fernsehen, dem Internet oder von Fotos geschaffen. Er sucht mit hohem Aufwand nach diesen Anregungen. Er bildet die Menschen aber nicht eins zu eins ab oder versucht, das Charakteristische einen Menschen einzufangen und zu malen. Sondern aus der Anregung heraus beginnt er ein Gesicht zu entwickeln……

Also sind die Bilder von Harding Meyer für mich keine Portraits. Denn wie ich schon im meinem Betrag über das Interview mit Vogel in der Palette geschrieben habe, gehe ich mit dem Begriff Portrait altmodisch um. Ein Portrait soll in meiner Gedankenwelt, das Typische eines Menschen wieder spiegeln. Irgendjemand hatte mal gesagt, das Portrait ist der Spiegel der Persönlichkeit, der Seele des abgebildeten Menschen.

Nun ja…. aber, warum malt man Köpfe, Gesichter, wenn es nicht um den abgebildeten Menschen geht, wenn dieser Mensch gar nicht existiert? Wo finde ich in dem Artikel die Antwort?

Die Gesichter von Harding Meyer schauen in der Regel den Betrachter an, oder sind ihm zu mindestens zu gewandt, so als wären sie mit dem Betrachter im Gespräch oder würden mit ihrem gegenüber agieren. Wie müssen Sie erst im Original wirken, denn Sie sind groß, sehr groß bis zu 1,95 x 2,5 Meter. Wenn man solch einem Bild im Original gegenübersteht, muss die Wirkung der Bilder noch „größer“ sein. Harding Meyer sagt in dem Interview, er kann im Prozess des Malens das Gesicht in seinem Sinne verändern. Immer wieder kann er Schicht für Schicht seine Eindrücke, seine Vorstellungen von dem „Gegenüber“ in das Bild einarbeiten. Harding Meyer selbst sagt in dem Interview (S. 41): „Im besten Fall zeigen sie (Anm. des Autors: sie – die Kopfbilder) einen Querschnitt durch das, was ich in den Medien an Köpfen wahrnehmen kann. Diesen Köpfen gebe ich durch meine Arbeit, durch den Malprozess eine neue Realität.“

Übersetzt heißt dieses für mich, ich kann in den Bildern nicht die Persönlichkeit eines abgebildeten Menschen ergründen. Sondern ich kann Stücke der Eindrücke, der Vorstellungen, der Persönlichkeit von Harding Meyer in den Bilder finden, ohne dass ich je erkennen kann, welche Eindrücke und Vorstellungen des Malers es sind.

Mir geht es wie der Autorin Fr. Dr. Fuchs. Ich muss die meisten der Gesichter immer wieder anschauen und ich suche trotz alle dem nach „den“ Menschen, den Charakteren hinter den Bildern. Ich finde es schade, dass es diese Menschen nicht gibt und zu gleich ist es umso erstaunlicher, dass die „imaginären“ Gesichter von Harding Meyer so interessant sind. Aber vielleicht sind sie es, weil sie nicht nur einen Charakter eines Menschen zeigen, nur nicht eine Geschichte eines Lebens erzählen, sondern viele Charaktere und Geschichten Schicht für Schicht über einander gelegt wurden. Vielleicht ist dieses auch die Erklärung, warum die Bilder in der Regel keinen Hintergrund haben. Denn wenn die Gesichter, eine Überlagerung von Eindrücken und Vorstellungen sind, die keiner konkreten oder typischen Situation zu zuordnen sind, wie soll dann ein Hintergrund aussehen?

Besonders angetan haben es mir die Bilder der alten Dame auf der Seite 37 und die Bilder S. 38. Es sind „Hingucker“, denn ich habe das Gefühl von ihnen angeschaut zu werden…..

Mein Tipp: Wenn Sie mal die Chance habe, die Gesichter von Harding Meyer im Original zu sehen machen Sie es. Für mich wäre es ein Muss.

Respekt auch an Frau. Dr. Fuchs, denn Sie hat für mich die richtigen Fragen gestellt. Sie weckt, dass Interesse auf mehr und gibt, in sie die Bilder aus dem Projekt Immingrants zeigt einen Ausblick auf die neuen Arbeiten von Harding Meyer.

P.S. noch mal Danke an Harding Meyer für seine Nachfragen

*1) Dr. Ulrike Fuchs, Gesichter – Ein Besuch im Atelier des Malers Harding Meyer, Palette & Zeichenstift, 4 / 2009, S. 36 – 41

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