Klarnamenzwang, Weltkatzentag, Anonymität, Freiheit ???

Weltkatzentag wichtiger als die Diskussion über die Sicherheit und Freiheit des Internets

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Anonyme Blogger und Twitterer mögen den Weltkatzentag
Anonyme Blogger und Twitterer mögen den Weltkatzentag

Spätestens seit dem 07.08.2011 hat dann die Internetgemeinde und die Politik wieder ein neues Thema, um zu diskutieren, sich auszutauschen. Google, Twitter und Facebook haben das „Interview“ des Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)  aufgegriffen. Der Spiegel Online veröffentliche am 07.08.2011 einen Artikel mit der Überschrift Innenminister Friedrich fordert Ende der Anonymität im Netz. Alle anderen Online Blätter und die Social Web griffen dieses Thema gierig auf. Heute Morgen wurde dieser Artikel auf Spiegel Online über Zweitausend mal über Facebook und 726 über Twitter verbreitet. Die dpa Meldung Streit um Internet-Pseudonyme – Klarnamenzwang? Nein Danke!  auf Spiegel online wurde 634 über Facebook und 175 über Twitter empfohlen. Google wirft bei dem Suchbegriff „Friedrich anonymität im internet“ über 126.000 Treffer aus.

Nach dem Spiegel Artikel hat Friedrich im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Norwegen folgende Aussage gemacht:

„Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce“, sagte Friedrich dem SPIEGEL. „Warum müssen ,Fjordman‘ und andere anonyme Blogger ihre wahre Identität nicht offenbaren?“

Die Grundsätze der Rechtsordnung „müssen auch im Netz gelten“, Blogger sollten „mit offenem Visier“ argumentieren.

Und wie üblich ging die „Diskussion“ in Netz los. Gut und erschreckend. Erschreckend weil alle auf das „Interview“ des Spiegels referenzierten oder nur mit einer Phrase diskutierten. Ich kenne nur eine Nachfrage im Netz, die nach dem gesamten Interview und dem Wortlaut der Aussagen des Innenministers Friedrich fragten. Das Fazit, dieser Nachfrage ist

Da mir keiner das Spiegel Interview posten konnte, gehe ich davon aus, dass es gar kein echte Interview gab, sondern nur eine pauschale vorgefertigte Anfrage.
Das ganze Geschrei sollte langsam heruntergeschraubt werden, so lange wir nicht den Wortlaut kennen.

Eine einfache und klasse Analyse und Aussage !!! Aber was haben alle anderen gemacht? Ist keiner mehr für eine ordentliche Recherche verantwortlich? Wie beeinflussbar sind die Menschen incl. Politiker durch eine solche Diskussion auf Basis von Phrasen?

Ungeachtet von der notwendigen Diskussion zu den Identitäten und der Sicherheit im Netz, zeigt sich hiermit auch die Unzulänglichkeit solcher Diskussionen. Oft wir ohne ausreichende Recherche, nach Hören Sagen verallgemeinert und Phrasen als scheinbares Allgemeingut verbreitet. Ein wirklich sehr guter Artikel von Caterina Fake: Die Mitgründerin des Fotoportals Flickr in diesem Zusammenhang hat bei weitem nicht die Medienresonanz und die Aufmerksamkeit im Netz. Unter der Überschrift Klarnamenzwang im Web – Frau Fake verteidigt die Pseudonyme auf Spiegel online stellt Frau Fake ihre Sicht auf die Entwicklungen im Netz dar. Sie setzt sich mit  Pseudonyme, Spinner, Spammer, Faker, Trolls, wirklich freie Nutzung des Webs auseinander. Dieses in einer überlegten Art, wohl wissen über die Gefahren, Schwierigkeiten, möglichen Lösungen, Vor- und Nachteilen.

Diese Art der Diskussion habe ich nach dem „Interview“ von Friedrich vermisst. Ich habe das Gefühl, bei passender Gelegenheit wird von den gleichen Leuten, die die Äußerungen von Friedrich aufgegriffen haben, auch über den Mangel an Sicherheit  für das Online Banking, den Online Handel, den Gewaltspielen, der Extremismus im Netz mit lauten Gebrüll ohne Differenzierung diskutiert. Aber der Online Zirkus hat das Thema von Friedrich schon fast wieder vergessen. Auf Twitter sind #boobsday #omgermanteen #bbde #londonriots #london #rtl #twoff #s21 #hach #weltkatzentag #followerpower

#facebook #pro7 #piraten #zdf #youtube #friedrich #memchen #nymday #fluglotsen

gefragt ;-). Friedrich Äußerungen sind Geschichte, wenn man Germany Twitter Trends zu Rate zieht, ist der Weltkatzentag wichtiger als die Diskussion über die Sicherheit und Freiheit des Internets.

Identitäten in Foren
Identitäten in Foren

Warum ich diesen Artikel geschrieben habe?

Vor- und Nachteile von Identitäten in Kunstforen

 

Anonyme Indentitäten im Kunstforen

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Informationsverteilung durch Vernetzung meines Blogs
Informationsverteilung durch Vernetzung meines Blogs

Ich agiere auf einige Foren und Plattformen, die sich mit dem Thema Malerei und Kunst beschäftigen, wie z.B. Kunstnet.de, artcafe.de, Aquarellforum, Aquarellgasse, Kunstforum … Dieses aus verschiedenen Motivationen, ich kann dort Bilder von mir vorstellen, bekomme Hinweise und Tipps und ich kann dort ebenfalls Beiträge meines Blogs einstellen, um Feedback zu bekommen und die Kommunikation breiter zu gestalten. Die Mitwirkung in solchen Foren ist jedoch keine Einbahnstraße, denn auch viele andere Menschen suchen dort Feedback, stellen Fragen und und … Zu ist es nicht verwunderlich, dass viele Besucher meines Blogs genau aus diesen Foren kommen. Vor einigen Tagen hatte ich die Auswertungen auf Basis des 2010 in review von wordpress.com dazu veröffentlicht und in dem Artikel Reicht Facebook für die Kommunikation ? die Vernetzung der Foren mit diesem Blog beschrieben.

Aber, was macht solche Foren für viele Menschen so interessant? Klar kann man neue Leute kennen lernen, kann Fragen stellen, erfährt einige neue Dinge und und… Nur darf man nicht alles auf die Goldwaage legen. In der Regel braucht man seine Identität nicht den Mitgliedern der Foren offenlegen. Eine Anmeldung über eine x-beliebige Mailadresse und Nick Name reichen oft aus. Dieses bringt einige Eigenheiten der Foren mit sich,  über die man sich oft nicht immer im Klaren ist. Hier mal einige Vorteilen und Nachteilen, die damit einhergehen. Für mich sind die Vorteile nur bedingt real und ziehen zwangläufig Ihre Schattenseiten mit, deshalb habe ich den Begriff „Scheinbar“ den Vorteilen vorangestellt.

Identitäten in Foren
Identitäten in Foren

„Scheinbare“ Vorteile

  • Man braucht seine Identität nicht offen legen.
  • Man kann anonym ungezwungen Fragen stellen.
  • Man kann  Fragen stellen, zu denen man im Netz oder täglichen Leben keine Antworten gefunden hat oder zu denen man nicht suchen wollte.
  • Man agiert unter Menschen mit gleichen „Interessen“, z.B. die Malerei.
  • Man kann zu jeder Zeit mit anderen Menschen plaudern, scherzen….

Nachteile

  • Jeden kann schreiben was er will oder meint, egal ob die Aussagen relevant sind, der Wahrheit entsprechen, oder nur einzelne  Teilaspekte darstellen.
  • Es kam schon vor, dass so manch ein Mensch mit zwei drei verschieden Identitäten im gleichen Forum zur selben Zeit agiert. Im „ralen“ Leben spricht man von Schizophrenie 😉
  • Die Kommentare und Feedback sind nicht immer erst gemeint 😉
  • Aber es fällt auch einigen schwer, die Netikette einzuhalten, denn anonym ist es leicht sich aufzuspielen.

Beim Agieren in den Foren kommt es also darauf an, die Eigenheiten der Foren oder der einzelnen Forenteilnehmer zu kennen. Etliche gute Maler und Malerinnen haben deshalb schon ihre Teilnahme an den Foren wieder eingestellt. Auch ich erwische mich manchmal, mich auf Diskussionen einzulassen, die ich im realen Leben nicht geführt habe.  Nur wenige dieser Foren werden auf Dauer ihre Daseinsberechtigung behalten. Aus meiner Sicht verliert, das artcafe immer mehr am Boden. Die Betreiber des kunstnet agieren geschickt, beziehen wenn auch im geringen Maß Twitter, Facebook ein, behalten viele ihre Stammnutzer und gewinnen ständig neue hinzu. Neue Plattformen, wie das Kunstforum drängen nach,  andere schaffen es gar nicht sich zu positionieren. Ich versuche in den Foren immer mit ausgefüllten Kontaktmöglichkeiten, den Verweis auf unsere Web Seite oder diesen Blog den Menschen die Möglichkeit zu geben, nach zu schauen, wer dort Bilder und Beiträge postet. Schließlich stehe ich zu dem Inhalt und meiner Malerei.

Nun wie jeder mit den Foren umgeht, muss jeder alleine herausfinden, z.B. die Balance zwischen Nutzen und „Zeitverschwendung“ sowie seinen Interessen und den Schutz seiner persönlichen Daten für sich finden ;-). Es wäre schön, wenn Sie ein paar Zeilen zu Ihren Erfahrungen, lustigen Erlebnissen in solchen Foren schreiben…