Fotos vom Büroalltag eines Aquarellisten (c) FRank Koebsch (2)

Wie viel Büroarbeit gehört zum Malen?

Wie viel Büroarbeit gehört zum Malen?

Was gehört zu einem ganz normalen Tag eines Aquarellisten?

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Mein Leben als Künstler (c) Frank Koebsch
Mein Leben als Künstler (c) Frank Koebsch

Es ist immer wieder interessant, sich mit anderen Menschen über meinen Beruf zu unterhalten. Seit April 2011 gebe ich als BerufsbezeichnungFreiberuflicher Künstler“ an. Die meisten Menschen lernen mich über meine Aquarelle, Ausstellungen, Veröffentlichungen in Zeitschriften und im WEB oder über unsere Kalender und Kunstkarten kennen. Andere Menschen treffe ich in den Aquarellkursen und Malreisen kennen. Es sind die Ergebnisse meiner Arbeit über die die Menschen mich kennen lernen.  In den Gesprächen mit anderen Menschen über mein Berufsbild, höre ich oft Meinungen, dass Künstler als Bohème leben oder Maler den ganzen Tag malen. In der vergangenen Woche hatte ich wieder so ein Gespräch. Ich versuche dann immer zu berichten, wie bei mir ein ganz normaler Tag eines Aquarellisten aussieht. Auch wenn ich sehr gerne und oft male, Dinge auf dem Papier oder einer Leinwand ausprobiere und Motive am liebsten in der Natur beobachte, wird aus meinen Schilderungen immer wieder schnell klar, dass sich mein Berufsleben nur wenig von dem eines anderen Freiberufler unterscheidet. Ich hatte in der Vergangenheit in der Darstellung „Mein Leben als Künstler“ einmal aufgelistet, welche Tätigkeiten welchen Zeitumfang im ganz normalen Tag eines Aquarellisten einnehmen. Meine Gesprächspartner sind immer sehr erstaunt, wie gering der Zeitanteil ist, in dem ich male. Dieses sieht sicher bei jedem im Detail ein wenig anders aus. Zu einem ganz normalen Tag eines Aquarellisten gehört leider auch eine Menge Büroarbeit. Bei einem Künstler denken die wenigsten Menschen an die notwendigen Büroarbeiten. Ich habe einfach einmal am Donnerstag vergangene Woche ein paar Fotos geschossen und will nun beschreiben, was ich als klassische Büroarbeit erledigt habe.

  • Ich habe die Belege und gefahrenen Kilometer der letzten Tage in der Buchhaltung erfasst sowie die Zahlungseingänge auf dem Geschäftskonto kontrolliert.
  • Zum Quartalsanfang sind immer die notwendigen Unterlagen für das Finanzamt zusammen zu stellen. Auch wenn man mit der Buchhaltung auf dem laufenden ist, sind immer noch Unterlagen zu kopieren und Rückfragen unserer Steuerberaterin zu beantworten. Eine meiner schlimmsten Arbeiten 😉
  • Einer Kundin gefiel das Rügen AquarellPfarrwitwenhaus in Groß Zicker“. Sie hatte das Aquarell von dem wohl beliebtesten Motiv auf dem Mönchgut über unsere Web Seite gekauft. In diesem Fall bekomme ich von unserem Shop eine Mail und die Arbeit beginnt. Ich muss klären, wo sich das Original befindet. Ist es auf einer Ausstellung oder lagert es in unserem Archiv? Wenn es unterwegs ist, muss ich unserem Partner bitten, uns das Bild zu schicken. In diesem Fall lagerte es in einer unserer Mappen. Als nächstes wird eine Auftragsbestätigung und eine Rechnung für den Kunden geschrieben, das Aquarell verpackt, der Paketschein gedruckt und die Lieferung zur Post gebracht. Ist das Paket unterwegs, wird der Kunde über die Sendungsnummer informiert und die notwenige Buchhaltung gemacht. Zur Überwachung der Zahlungseingänge noch fix einen Termin in den Kalender setzen.
  • Für meine Malschüler der Aquarellkurse an der VHS Rostock habe ich eine Ausstellung im Rostocker Hof Am nächsten Tag wollten wir die Ausstellung hängen, also habe ich die Etiketten für die Bilder geschrieben und gedruckt, Seile, Haken, das Werkzeug, Flyer und Visitenkarten für die Ausstellung zusammengesucht.
  • Wie es an solchen Tagen so ist, merkt man immer im letzten Augenblick, bei welchen Büromaterialien der Vorrat dem Ende entgegengeht. Die Tintenpatronen meines Druckers leerten sich drastisch, der Edding und ein Klebestift waren eingetrocknet, der letzte Ordner ging für die Steuerunterlagen drauf und die Etiketten würden für eine weitere Ausstellung nicht reichen. Also habe ich fix die notwendigen Bestellungen im Web gemacht und wieder Rechnungen für die Buchhaltung erzeugt.
  • Ich habe den Blogartikel über den Buchungsstart des Plein Air Festivals 2018 – Malen an der Ostsee geschrieben.

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So verging eine Menge Zeit – mit klassischer langweiliger Büroarbeit. Ich bin ehrlich, am Ende des Tages habe ich dann doch zu Pinsel und Farbe gegriffen. Ich habe einen Schlepper als Miniatur in Aquarell gemalt. Ein Kunde hat angefragt, ob ich für einen Tagungsraum ein großes maritimes Aquarell mit einem Containerschiff malen kann. Ich mag Boote und Schiffe und hatte in der Zeitschrift Palette & Zeichenstift sogar schon mal ein malerisches Bootbauseminar veröffentlicht. Also hatte ich an einigen Abenden zuvor in meinen Erinnerungen, den Fotos von unseren Reisen, dem Schiffe gucken im Warnemünde, dem Schlepperballett bei der Hanse Sail, dem Malen an der Elbe und dem Web nach Ideen für so ein Bild gesucht. Meine Idee ist es, neben dem schwarzen Containerriesen als Farbtupfer einen oder zwei rote Schlepper zu setzen. Also habe ich zu Einstimmung auf eine mögliche große Arbeit rote Schlepper als Miniatur nach meinen Rechercheergebnissen gemalt. Mit dem Malen ist die Arbeit für diese kleinen Aquarelle noch nicht beendet. Ich habe Sie für meinen Kunden und unsere Web Seite fotografiert. Es gibt viele Liebhaber von maritimen Bildern, also werde ich die Fotos von den Schleppern in den nächsten Tagen in unserem Web shop zu Verkauf anbieten. Eine weitere Büroarbeit, die auf mich zukommt.

 

Haben Sie sich so einen ganz normalen Arbeitstag eines Aquarellisten vorgestellt?

 

Die meisten meiner Arbeitstage verlaufen so ganz unromantisch. Aber umso schöner war es, in die leuchtenden Augen meiner Malschüler am nächsten Tag bei ihrer ersten Ausstellung zu schauen, ein Feedback für ein verkauftes Aquarell zu bekommen und in den warmen Monaten gemeinsam mit anderen an der Ostsee zu malen, die Kraniche zu beobachten und und … Diese Erlebnisse sind die High Lights aber eben nicht der Alltag. Wenn ich dieses den Gesprächspartnern auf ihre Fragen zu meinem Beruf erzähle, kommt das nicht immer gut an. Etliche Menschen wollen mit den Bildern auch Geschichten von einem romantischen Künstlerleben kaufen. Also gehört zum Malen sicher auch die Kunst des Verkaufen`s. 😉

Ausstellungsvorbereitungen

Ausstellungsvorbereitungen

Kurz vor der Eröffnung unserer Ausstellung Farben des Nordens

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Einladungskarte für die Ausstellung von Hanka & Frank Koebsch - Farben des Nordens
Einladungskarte für die Ausstellung von Hanka & Frank Koebsch – Farben des Nordens

Es ist immer ein riesiger Aufwand eine Ausstellung vorzubereiten. Das normale Leben geht weiter und in den letzten Tagen vor der Vernissage häufen sich die Arbeiten. In der Regel haben wir lange vorher die Ausstellungsräume besichtig, vermessen und fotografiert. Die Auswahl der Bilder und die Hängung haben wird auf dem Laptop geplant. Wir sind vor Jahren schon dazu übergegangen, uns in der Papierauswahl in den Formaten zu beschränken. Damit können wir 95% unsere Aquarelle in Wechselrahmen 30 x 40cm, 40 x 50cm oder 50×60 cm mit den entsprechenden Passepartouts rahmen. Dann beginnt die Suche nach den auszustellenden Bildern und der Abgleich mit den vorhandenen Rahmen. Sind alle Aquarelle und Pastelle hier oder sind dieses zur Kommission bei einem Partner?  In der Regel sind dann eine Woche vor der Ausstellung alle Bilder hier. Die Aquarelle werden dann nach und nach gerahmt. Die Folge ist, in allen Ecken stehen Bilder rum ;-). Es sind die Werkslisten für die Ausstellung mit der realisierten Rahmung abzugleichen, Etiketten zu erstellen und zu drucken, der Hefter mit dem Infomaterial und die Vita zum Hängen zu aktualisieren und und … Am Tag bevor die Hängung erfolgt, ist das Chaos der Ausstellungsvorbereitung am größten. Die gerahmten Werke werden mit Bilderecken und Luftpolsterfolie verpackt. Auch wenn der Betreiber der Ausstellungsräume versichert, dass Seile, Harken und Werkzeug vorhanden sind, checken wir unsere Bilderharken und sonstige Dinge. Wenn dann am Ausstellungsort alle Bilder gehangen sind, herrscht bei uns endlich wieder ein wenig mehr Ordnung. Schnell noch einmal im Kopf durch gehen,  ob der Presseverteiler passte, ob alle relevanten Betreiber der Web Seiten informiert wurden, wer von den eingeladenen Gästen Rückfragen hatte, …. dann zieht ein wenig Ruhe ein, bis es heißt Umziehen zur Ausstellungseröffnung  😉

Doch hierzu mehr nach der Eröffnung unserer Ausstellung Farben des Nordens in der Internationalen Begegnungszentrum Rostock e.V. der Universität Rostock morgen am 11.05.2012 um 19.00 Uhr.

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Wir würden uns über den Besuch von Ihnen morgen zur Vernissage oder in den nächsten Tagen in der Ausstellung freuen. Aber damit herrscht nach den Ausstellungsvorbereitungen so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm 😉