Vernissage (4)

Wie wichtig sind Gespräche in einer guten Atmosphäre bei der Ausstellungseröffnung?

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Ich hatte in den vergangenen Beiträgen

ein paar meiner Gedanken und Erfahrungen beschrieben und auf den Artikel von  Katharina Knieß  „Im Fokus: Das Publikum – über Sinn, Unsinn und Grenzen von Vernissage Begleitprogrammen“ in der atelier  –  die Zeitschrift für Künstlerinnen und Künstler 6 / 2010, S. 14 ff Bezug genommen.

Auch wenn in dem Artikel auf S. 16 Künstler und Galeristen mit der Aussage zitiert werden, dass das Engagement von Redner, Musik oder Lesung nicht verkaufssteigernd ist, kann ich diese Aussage aus meiner Sicht nicht teilen. Ich bin der Meinung, dass eine Ausstellungseröffnung mit einer passenden Umrahmung und Eröffnungsrede neben einer guten Ankündigung und Einladung für die Ausstellung einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der Vernissage oder gar der Ausstellung hat – ob man es wahr haben will oder nicht. 😉

So kann ich mich viel mehr mit folgender Aussage in dem Artikel auf S. 16 identifizieren:

„… dass mehr Publikum kommt und der Raum belebt wird, wenn man es als zusätzlichen Programmpunkt während der Ausstellungsdauer anbietet, denn Musik zur Eröffnung stellt eine spezielle Atmosphäre  her.“

Meine Erfahrung ist, dass bei einer guten Vernissage sich nicht nur die Gäste gut unterhalten, sondern auch mit den Künstlern und den Galeristen ins Gespräch kommen. Auch wenn sich beim ersten Mal nichts ergibt, hat man so als Künstler und Galerist eine größere Chance bei Kunden und Interessenten nachzusetzen. Zu Sammlern oder Menschen, die mehrmals schon Kunst gekauft, muss man sowie so regelmäßig den Kontakt suchen. Die Chance ergibt ohne diese Gespräche nicht… 😉

Außerdem hat sich bei uns gezeigt und so wird es auch von vielen anderen Künstlern erzählt, man verkauft am besten im Rahmen der Ausstellungseröffnung. Wenn dieses so ist, woran mag dieses liegen? Wie sind Ihre Erfahrungen als Kunstliebhaber oder Künstler?

Hier ein paar Schnappschüsse von Gesprächen von mir während Ausstellungseröffnungen.

Besucher der Vernissage 3 (c) Ullli Schwenn
Besucher der Vernissage 3 (c) Ullli Schwenn
v.l.: Martin Gartzke (Leiter NDR-Presse und Information), Frank Koebsch, Hanka Koebsch und Dr. Karl-Heinz Kutz (Rundfunkrat) © NDR
v.l.: Martin Gartzke (Leiter NDR-Presse und Information), Frank Koebsch, Hanka Koebsch und Dr. Karl-Heinz Kutz (Rundfunkrat) © NDR
Begrüßung
Begrüßung

P.S. Danke an Katarna Knieß und die Zeitschrift atelier für den guten Artikel.

Vernissage (3)

Eröffnungsrede – ein heikler Teil der Vernissage

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Ich hatte in einem der vorangegangenen Artikel das „Ritual“ für die Ausstellungseröffnung beschrieben. In einem zweiten Beitrag Musik oder eine Lesung in der Ausstellungseröffnung hatte ich auf den Artikel von  Katharina Knieß „Im Fokus: Das Publikum – über Sinn, Unsinn und Grenzen von Vernissage Begleitprogrammen“ in der atelier  –  die Zeitschrift für Künstlerinnen und Künstler 6 / 2010, S. 14 ff Bezug genommen. Riesig getreut habe ich mich über die Kommentare, Erfahrungen und Meinungen gefreut. So möchte stellvertretend aus dem Kommentar von Martina Wald zitieren:

„Wenn es ein Rahmenprogramm gibt, muss das mit der gleichen Sorgfalt ausgewählt und gestaltet werden, wie die bildende Kunst, die an den Wänden zum Verkauf hängt. Alles andere wäre grobe Vernachlässigung und Missachtung des Gastes/Kunden.“

Dem ist eigentlich kaum etwas dazu zufügen. Aber es gibt ja noch den Teil, der Reden und Einführungen. das Thema der Eröffnungsreden ist für mich genauo heikler wie die Musik bei einer Vernissage . Katharina Knieß schreibt auf S. 16 :

Die Eröffnungsrede lege „den professionellen Anspruch der Ausstellung und damit auch der Galerie.

Nur ist die Frage, was damit gemeint ist? Ich habe schon Reden mit einem hohen kunsttheoretischen Anspruch oder zum vermeintlichen Lebenswerk der Künstler gehört, die das Publikum eher verschreckten, als auf die Ausstellung einstimmten. Hierbei war es egal, ob diese Reden von Kunsthistorikern, sogenannten professionellen Redner auf Honorarbasis, lokalen VIPs oder oder… gehalten worden. Meine Empfehlung ist es, suchen sie sich für die Eröffnungsrede jemanden aus, den sie schon einmal gehört haben, wenn er über Kunst spricht. Dieses kann durchaus ein Freund oder ein Bekannter sein, der erlebt hat, wie ihre Kunst entsteht, der über einige ihre Kunstwerke oder damit verbundenen Erlebnissen pointiert und lebensnahe berichten kann. Dieses ist viel mehr wert, als wenn man im Beisein vieler Gäste und der Presse stammelnd in eine Ecke gestellt wird, in die man nicht gehört. Ich kenne hier sehr viele gute Beispiele, wo Partner oder befreundete Künstler die Eröffnungsrede gehalten haben. Dieses hat nicht mit mangelndem Renommee zu tun, wenn Jo Jastram für seine Frau Inge Jastram oder Andreas Mattern für Susanne Haun und umgekehrt die Eröffnungsrede hält.

Im Zweifelsfall sollten der Galerist, der Veranstalter oder der Künstler diesen Part selbst in die Hand nehmen. Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihren Ausstellungsbesuchen gemacht?



v.l.: Dr. Georg Diederich (Rundfunkrat), Hanka Koebsch, Frank Koebsch und Dr. Karl-Heinz Kutz (Rundfunkrat) © NDR
v.l.: Dr. Georg Diederich (Rundfunkrat), Hanka Koebsch, Frank Koebsch und Dr. Karl-Heinz Kutz (Rundfunkrat) © NDR
Thilo Braune erzählt über 30 Jahre Jazz in Eldena (c) Ulli Schwenn
Thilo Braune erzählt über 30 Jahre Jazz in Eldena (c) Ulli Schwenn
Eröffnungsrede - Foto Frank Koebsch
Eröffnungsrede - Foto Frank Koebsch

Vernissage (2)

Musik oder eine Lesung in der Ausstellungseröffnung?

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Ich hatte in dem vorangegangenen Artikel das „Ritual“ für die Ausstellungseröffnung beschrieben. Ich bin der Meinung, dass dieses Ritual neben einer guten Ankündigung und Einladung für die Ausstellung einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg der Vernissage oder gar der Ausstellung hat – ob man es wahr haben will oder nicht. 😉

Nur gibt es hierzu ganz unterschiedliche Meinungen oder Geschmäcker unter den Besuchern genauso wie unter den Ausstellungsorganisatoren. Deshalb war es für mich interessant in der atelier –  die Zeitschrift für Künstlerinnen und Künstler 6 / 2010, S. 14 ff der Artikel „Im Fokus: Das Publikum – über Sinn, Unsinn und Grenzen von Vernissage Begleitprogrammen“ zu lesen.  Die Autorin Katharina Knieß geht auf drei Seiten auf die verschiedenen Möglichkeiten von Begleitprogrammen ein. Sie klammert am Beginn ihres Artikels gleich Performances oder Aktionen, die Teil der Ausstellung sind, aus. Sie geht viel mehr auf die Möglichkeiten ein, in einer Vernissage mit Musik, mit einer Lesung und einer Einführungsrede zu agieren.

Geschickt baut sie in den Artikel Bespiele, Meinungen von Galeristen, ausstellenden Künstler, Musikern und Lesenden ein. Der Artikel gibt kein allgemeingültiges Rezept sondern weist geschickt darauf hin, was beachtet werden sollte. Klar müssen das Begleitprogramm (Lesung, musikalische Umrahmung, Rede) zu den Räumlichkeiten und der Ausstellung passen. Aber selbst wenn dieses gegeben ist, scheint das Thema Musik zur Vernissage ein heikles zu sein. In dem Artikel habe ich Meinungen von Beratern und Galeristen gefunden, die besagen

  • Begleitmusik lenke von der Kunst ab und
  • Musik ist problematisch, Musik passe nicht zu einem auf Malerei fokussierten Galerieprogramm.

Auch wenn ich kein Liebhaber von „experimenteller“ Musik bei Ausstellungseröffnungen bin, kenne ich sehr gute Beispiele von musikalischen Umrahmungen, egal ob in Galeriebetrieben oder anderen Ausstellungsorten. Lesenswert sind in diesem Zusammenhang die Aussagen des Musikers Reinhard Köhler, der „Klanglandschaften zu Bildender Kunst“ mit „E-Bass, Elektronik und Experiment“, Musik speziell zu Vernissagen anbietet. Also schauen Sie mal in die Zeitschrift. Ich mache kein Hehl daraus, ich bin ein Freund von einer passenden musikalischen Umrahmung einer Ausstellungseröffnung.

Persönlich habe ich aber schlechte Erfahrungen mit Lesungen im Rahmen einer Ausstellungseröffnung gemacht. Dieses mag an meinem Geschmack liegen, aber vielleicht auch an dem Erlebten. Begrüßung des Galeristen, danach eine Lesung, danach die Eröffnungsrede, vielleicht noch ein Teil der Lesung, dann ein paar Dankesworte der Künstler… Dieses spannend zu machen, ist eine Herausforderung 😉

Welche guten oder schlechten Beispiele kennen Sie? Ich würde mich über Feedback freuen.

Ein klasse Duo (c) Arvo Wichman
Ein klasse Duo (c) Arvo Wichman
Schülerinnen der Kreismusikschule Flotow
Schülerinnen der Kreismusikschule Flotow