Die Kunst sich so zu vernetzen, dass man von der Kunst leben kann

Vernetzung ist und war eine der wirtschaftlichen Grundlagen

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Ich beginne mich immer mehr damit zu beschäftigen, wie kann man, wie kann ich mit meiner Kunst leben. So hatte Ich in den vergangenen Tagen und Wochen zwei Artikel mit den Überschriften

und

veröffentlicht. In den vergangen Tagen gab es zwei weitere Interessante Pressemitteilung zu den Themen Kunst und Kulturpolitik in Rostock oder Mecklenburg Vorpommern, doch der Reihe nach.

Der Artikel „Arme Künstler im Nordosten Deutschland“ ist entstanden auf der Basis von Pressemeldungen über die Studie der Hochschule Neubrandenburg. Die Studie kann auf der Seite Studie mit kulturvollen Einblicken eingesehen und runtergeladen werden. Eine der Kernaussagen der Studie war für mich:

  • Es fehlt an der Vernetzung der Künstler unter einander und zu anderen Wirtschaftszweigen.
Vernetzung als wirtschaftliche Grundlage (c) Frank Koebsch
Vernetzung als wirtschaftliche Grundlage (c) Frank Koebsch

Gerade die Beispiele die von Christiane Limper (Künstlerin, Flensburg) und Dodo Adden (Kulturschaffender und Vorstand Frappant e.V. Hamburg) im Rahmen des Creative Monday Nord – Netzwerken zwischen Rostock, Hamburg und Flensburg zeigten wie wichtig die Vernetzung der Künstler untereinander, das Interagieren mit möglichen Partnern in der Politik und möglichen Geldgebern ist. Nun aber genau dieses hat sich weder bei den Künstlern, den Verantwortlichen der Kreise und der Länder etabliert. Hier ein Beispiel aus Rostock:

Am 05. und 06.07.2011 erschienen zwei Meldungen zur ersten Kulturfabrik in Rostock. Gemeint war aber nicht die Kulturfabrik, An der Jägerbäk 22 als Partyzone sondern die ersten Kulturfabrik im Rathaus. Der Ostsee Anzeiger und das Online Magazin „Rostock – Nachrichten“ brauchten gleichlautende Meldung zu der ersten Kulturfabrik im Rathaus. In den Artikeln kann man u.a. folgendes lesen:

  • „Rostock hat sich auf den Weg zu seinen Kulturleitlinien gemacht.“
  • „Kulturleitlinien haben dann den größten Erfolg, wenn sie von unten her entwickelt werden, und so hatte der Kulturausschuss der Hansestadt 40 Rostockerinnen und Rostocker aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen zu einer Auftaktdebatte in die Halle des Rathauses geladen, um einen Gesprächsprozess zu beginnen, Meinungen und Vorschläge mitzunehmen, vor allem aber um zuzuhören.“
  • „Das erste Fazit lautet, dass das ansonsten breite und vielfältige Rostocks Kulturangebot vor allem unter dem Fehlen von Vernetzung und Kommunikation, aber auch unter dem unbefriedigenden Marketing leidet.“

Gegen die Arbeit und die Analyse ist nichts einzuwenden. Außer, wenn man der Aussage von Tim Kellner Mitglied der Künstlergruppe Schaum folgt, dass kein Künstler zu dieser Kulturfabrik eingeladen war, noch die entsprechenden Information im Vorab erfolgte. Es wurde also wieder einmal über die Kunst, die Kultur gesprochen und diskutiert und es werden Beschlüsse vorbereitet ohne die Künstler, die Kulturstätten mit einzubeziehen. 😉

Nun, dass es an einem Marketing- und Kommunikationskonzept für die Kultureinrichtungen fehlt ist bekannt und zeigt sich an jeder Ecke. Dieses macht es den Einwohnern und Besuchern der Region um Rostock schwer sich über das Kulturangebot zu informieren. Gleichzeitig macht es den Kultureinrichtungen schwer sich wirkungsvoll zu vermarkten. Aus diesem Grund gestaltet die Produzentengalerie artquarium die Seite Kulturscheibe.de – ein Terminfenster aus Rostock über Ausstellungen und andere kulturelle Events. Einen weiteren Teilaspekt hatte ich in dem Artikel Kultureinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und das Web2.0 herausgearbeitet. Die Kultureinrichtungen sind zu wenig im Web vertreten und nutzen das Thema Social Media unzureichend für die Kommunikation mit den Besuchern oder Kulturinteressierten. Für die Kommunikation untereinander werden die Bereiche des WEBs schon gar nicht genutzt. Ein ganz einfaches Beispiel hatten wir mit unserer konzertierten Marketing Aktion: 10 Fragen zur Kunst aufgezeigt. Solche Aktionen lassen sich auch für die Lange Nacht der Museen in MV, für den Start der Theater in die neue Spielzeit oder die Aktion Kunst heute realisieren. Wenn man denn will. Denn solche Aktionen lassen sich nicht verordnen. Sie müssen durch den Willen ein Thema voranzutreiben und eine Vernetzung der Teilnehmer untereinander getragen werden.

Für mich bestätigt sich eines immer mehr, die Vernetzung und das vernetzte Arbeiten der Künstler und Kultureinrichtungen untereinander sowie mit weiteren Partnern sind eine der Grundlagen für eine erfolgreiche Arbeit. Hierzu gehört dann auch sich in die nächste Kulturfabrik Rostocks oder des eine Veranstaltung des neuen Großkreises um Rostock herum einzuladen. Oder ? 😉

Arme Künstler im Nordosten Deutschlands

Alles, nur kein Unternehmer? 😉

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Seit dem 10. Mai tauchen in Mecklenburg Vorpommern immer wieder kurze Meldungen über eine Studie der Hochschule Neubrandenburg auf. Die Überschrift lautet in der Regel Studie: Arme Künstler in Mecklenburg-Strelitz.

Als Fakten werden z.B. in der dpa Meldung vom 11.05.2011 folgende Daten genannt:

  • „Das Gros der Künstler, Kunsthandwerker und anderen kreativ Tätigen in der Region Mecklenburg-Strelitz lebt von rund 1.200 Euro im Monat und damit finanziell am Limit.“
  • „Mehr als 50 Prozent der Befragten hätten erklärt, dass sie mit 17.500 Euro im Jahr oder weniger auskommen müssten. 35 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 50.000 Euro im Jahr zu haben, 15 Prozent lagen dazwischen.“

o.k. Wenn man das durchschnittliche Einkommen in Mecklenburg Vorpommern von 28.181€  kennt, ist diese zwar nicht schön, aber auch nicht überraschend. Es spiegelt die Situation eines Flächenlandes mit wenig Industrie und viel Abwanderung in der vergangenen Jahren und einer rasant alternden Bevölkerung wieder.

Arme Künstler
Arme Künstler

Der Nordkurier hatte am 11.05.2011 ebenfalls zu der Studie: Arme Künstler in Mecklenburg-Strelitz einen Artikel veröffentlicht – aber mit der Überschrift: Mehr Dialog für die Kultur erwünscht. Eine ganz andere Tonlage zur gleichen Studie 😉 Die Empfehlung der Studie heißt laut Nordkurier Mehr Förderinstrumente, mehr Dialog innerhalb der Branche, mehr Verknüpfung mit touristischen Angeboten |1|. Innerhalb der Studie machten Künstler „in individuellen Interviews ihren Problemen Luft“: Vom „Betteln“ um Unterstützung bis zur „Massenabfertigung“ durchreisender Touristen.“ |1|

Was ich gut finde ist, dass auf die Situation der Künstler und Kreativen hingewiesen wird. Es ist schon nicht leicht in einem Bundesland mit geringen Bruttosozialprodukt von der Kunst zu leben. Aber es ist scheinbar auch notwendig, dass den Künstlern und Kreativen der Spiegel vorgehalten wird. Der Nordkurier schreibt von einer zu geringen Vernetzung der Kreativen mit anderen Wirtschaftszweigen und zitiert Markus Wegerhoff, Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung in der Kreisverwaltung mit den Worten „klassische Netzwerk-Aufgabe“.

Noch viel mehr auf den Punkt gebracht wurden die Defizite der Kreativen von Projektleiter Prof. Dr. Peter Dehne in einem Interview am 11.05.2011 in der Sendung Kulturjournal auf NDR 1 Radio MV.  Ich habe dieses Interview durch Zufall gehört und kann den Inhalt nur sinngemäß wieder geben. Sollten mir Fehler bei der Widergabe unterlaufen sein, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

Ich habe mir aus dem Interview folgende Aussagen gemerkt.

  • Die Künstler sind nicht vernetzt.
  • Sie reden nicht mit einander.
  • Die Künstler entwickeln keine gemeinsamen Projekte.
  • Kaum einer von den Künstlern unterbreitet Angebote für Kinder.

In der dpa Meldung ist dann noch zu lesen,

„ Außerdem wünschten sich die Künstler, dass der neue Großkreis Netzwerke untereinander stärker fördere sowie einen Kulturmanager, der ihre Sprache spreche.“

Folgende Fragen bleiben bei dem Wunsch für mich ungeklärt:

  • Wer bezahlt den Kulturmanager?
  • Mit welchem Eigenanteil werden die Künstler an diesen Kosten beteiligt?
  • Werden die Künstler unter Moderation der Kulturmanager, dann untereinander reden, sich vernetzen und gemeinsame Projekte entwickeln?

Für mich sind Künstler in der Regel Freiberufler und damit selbständige Unternehmer und viele Punkte aus dem Artikel des Nordkurier und dem Interview habe nichts mit der wirtschaftlichen Situation im Land zu tun, sondern mit dem Selbstverständnis und dem Agieren der Künstler und Kreativen. Nicht umsonst hat die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung die Broschüre herausgebracht, Alles, nur kein Unternehmer?

In einem Gespräch mit Hr. Lemloh vom RKW Kompetenzzentrum Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes habe icherfahren, dass es hier durch aus verschiedene Meinungen gibt und in der Ausbildung sowie Förderpolitik der Künstler oft nicht als Unternehmer und Projektmanager gesehen wird. Umso mehr freue ich mich, dass es mir im vergangenen Jahr gelungen ist, 9 Künstler, Andreas Pasternack, Tilo Braune als einer der Väter der Eldenaer Jazz Evenings, die Stadt Greifswald, den NDR als Medienpartner, weitere Sponsoren und die Galerie im IPP zu gewinnen, um unser gemeinsames Ausstellungsprojekt Jazz meets Finearts zu realisieren. In diesem Jahr konnte ich mich wieder in eine Gruppe von Künstlern einbringen und die Blogparade: 10 Fragen zur Kunst von der Idee und der laufenden Durchführung vorantreiben. Mit dieser Blogparade als konzertierte Aktion versuchen wir recht erfolgreich im Bereich des Marketings und des WEB 2.0 besser zu positionieren, um mehr Menschen für unsere Kunst und unsere Ausstellungen zu gewinnen.  Weitere Ideen und Projekte sind Vorbereitung. Deshalb tue ich mich ein wenig schwer, wenn Künstler nach externer Unterstützung im Sinne eines Kulturmanagers rufen. Hilfe zur Selbsthilfe und die Kunst von der Kunst zu leben besser zu lernen ja. Mehr nein… denn ständige Förderung wir oft als konstante Einnahmequelle verstanden und nicht als temporäre Unterstützung für eine Unternehmung.

|1| Artikel: „Mehr Dialog für die Kultur erwünscht“ im Nordkurier vom 11.05.2011

P.S.:

Schauen Sie doch mal in die vierte Etappe unserer Blogparade. Es lohnt sich, denn am Sonntag wird Coco ein Überraschungspaket der Fa. Hahnemühle und ihren wunderbaren Akt verlosen.

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Conny Niehoff„Rückenakt“32 x 24 cm,Hahnemühle Burgund
Rückenakt (c) Conny Niehoff
Rückenakt (c) Conny Niehoff

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Hier finden Sie noch einmal alle Teilnehmer der Aktion: 10 Fragen zur Kunst

Großstadtheidi + Hellen Königs + Frank Hess + Anna Schüler Conny Niehoff + Andreas Mattern + Susanne Haun + Oliver Kohls + Frank Koebsch + Rosi Geisler