Auf der Suche nach dem richtigen Aquarellpapier

Auf der Suche nach dem richtigen Aquarellpapier

Ein Artikel von Frank Koebsch in Zeitschrift Palette und Zeichenstift 2016 / 04

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Papierauswahl (c) Frank Koebsch
Papierauswahl (c) Frank Koebsch

Wer meinen Blog verfolgt oder auf unserer Web Seite stöbert, wird gelesen haben, dass ich bei unseren Aquarellen in der Regel angebe, mit welchen Farben auf welchem Aquarellpapier wir die Bilder gemalt haben. Der Grund ist ganz einfach. Ich werde immer wieder bei den Aquarellkursen und Malreisen gefragt, welches Aquarellpapier ich nutze.  Auch auf Ausstellungen wird uns immer wieder diese Frage gestellt.  Meine Suche nach dem richtigen Aquarellpapier für mich war eine längere Reise.

Wie heißt es so schön:

Das Papier macht den Unterschied

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Ich habe verschiedene Papiere ausprobiert und bin auch weiterhin auf mir unbekannte Papiere gespannt. Drei verschiedene Aquarellpapiere habe ich gefunden, die meine heutige Art zu malen optimal unterstützen. Diese Papiere stehen bei mir im Schrank und ich wähle unter ihnen je nach Motiv, angestrebter Malweise und letztendlich auch nach persönlicher Stimmung. Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen, verschiedene Aquarellpapiere auszuprobieren und danach die Wahl des Papiers zu treffen. Wenn man sein Papier oder seine Papiere gefunden hat, ist mein Tipp, bei diesen Papieren zu bleiben und seine Malweise immer weiterzuentwickeln.

Welches Papier ist das Richtige?
Welches Papier ist das Richtige?

Meine Erfahrungen habe ich habe ich in einem Artikel „Auf der Suche nach dem richtigen Aquarellpapier“ in der Zeitschrift „Palette und Zeichenstift“ veröffentlicht. Der Artikel soll eine Anregung sein, dass sich Malschüler und Anfänger mehr mit dem Medium Papier beschäftigen. Es hilft wenig zu fragen, auf welchem Papier ich oder andere Aquarellisten malen. Es ist wichtiger zu fragen

Welches Papier unterstützt meine Malweise?

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Als Beispiele für die unterschiedlichen Eigenschaften der Papiere, habe ich die Aquarelle „Aussicht auf das Mönchgut“, „Rosenblüten – wunderbare aber vergängliche Schönheiten“,  „Herbstanfang“ und „Die Blüten des Sebnitzer Flussteufels“ in der Palette veröffentlicht.

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Die Wirkung der Aquarellfarben und die Möglichkeiten sind auf den verschieden Papieren unterschiedlich. Das Aquarell „Die Blüten des Sebnitzer Flussteufels“ habe ich auf dem Echt-Bütten Aquarellkarton Leonardo, 600 g / mmatt, die Aquarelle „Herbstanfang“ und „Rosenblüten – wunderbare aber vergängliche Schönheiten“ auf dem Aquarellkarton Cornwall 450 g / m2, rau, das Aquarell „Aussicht auf das Mönchgut“ auf dem Aquarellkarton Britannia 300 g / m2 matt von Hahnemühle gemalt. Diese Papiere stehen bei mir im Schrank und ich ja nach Motiv und Stimmung wähle ich das für mich passende Aquarellpapier.

Das Gewicht eines Papiers ist nur eine Angabe, wie viel Wasser das Papier aufnehmen kann, bevor es sich wellt. Man kann ganz phantastische Bilder auf ganz dünnen, leichten Papieren malen, wenn sie aufgespannt werden. Noch wichtiger als das Gewicht sind die Oberfläche und der Aufbau des Papiers. Sie bestimmen ganz wesentlich

  • wie das Wasser – Farbgemisch verlaufen wird,
  • ob sich beim Auftrocknen leicht Wasserränder und Ausblühungen bilden,
  • ob sich Farben wieder auswaschen lassen oder beim Lasieren schnell wieder anlösen und dann auf dem Blatt vermischen,
  • wie die Farbe in das Papier eindringen wird, ob ein Aquarell matt aussieht oder die Farben wunderbar leuchten,
  • ….

Leider gibt für den Aufbau der Papiere und die Oberflächen keine einheitlichen Bezeichnungen. Ich versuche in dem Artikel die wichtigsten Begriffe (matt, rau, fine, satiniert, torchon, extra rau, kalt gepresst, heiß gepresst Bütten, Echtbütten, Akademiepapiere, …) zu erklären und gebe Hinweise wofür, sich die einzelnen Papierarten eignen.

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Hier können Sie den Auszug aus dem Artikel „Auf der Suche nach dem richtigen Aquarellpapier“ in der Palette 4 – 2016 auch als pdf lesen.

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Wie findet, man sein Aquarellpapier, dass die persönliche Malweiseunterstützt?

Wenn ich einen neuen Aquarellkurs oder eine längere Malreise starte, bitte ich meine Malschüler sich auf ein kleines Experiment einzulassen und ein einfaches Motiv mehrmals auf verschiedenen Papieren zu malen. Zuerst ist die Begeisterung nicht sehr groß. Ich versuche dann, den Stellenwert der Papierwahl für ein gutes Bild z.B. mit folgenden Aussagen zu verdeutlichen:

  • Es ist nicht möglich, mit dem besten Rotmarderpinsel und den brillantesten Farben auf einem Stück Pack- oder Toilettenpapier ein gutes Aquarell zu malen.

  • Von den Kosten für ein Aquarell gebe ich über 85 % für Papier aus, ca. 10 % für Farben, ca. 3 % für sonstiges und nur 2 % für Pinsel. Gute Pinsel halten bei richtiger Pflege viele Jahre. Papier und Farben sind Verbrauchsmaterial. Aber gute Aquarellpapiere sind die Grundlage für jedes Bild.

Eine der Übungen, die ich für einen

Test von Aquarellpapier

empfehle, ist das Malen von ein paar Äpfeln. Ich hatte diesen Test und die meine Ergebnisse bereits in den vergangenen Jahren einmal hier auf meinem Blog vorgestellt. Am besten Sie man die Ergebnisse des Tests von Aquarellpapieren in dieser Abbildung.

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Der Vergleich der fertigen Aquarelle auf den unterschiedlichen Papieren (c) Frank Koebsch
Der Vergleich der fertigen Aquarelle auf den unterschiedlichen Papieren (c) Frank Koebsch

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Palette und Zeichenstift 4 - 2016

Ich hoffe, dass ich Ihnen bei der Suche nach ihrem Aquarellpapier einige Impulse geben konnte. In dem Artikel „Auf der Suche nach dem richtigen Aquarellpapier“ der Palette 2016 – 04 können sie ganz ausführlich etwas zu dem Test und den verschiedenen Papieren lesen. Wenn Sie die Zeitschrift nicht besitzen, können sie hier eine Leseprobe als pdf einsehen oder und das Heft bei dem Verlag oder im gutsortierten Zeitschriftenhandel kaufen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Stöbern in der Palette und beim Ausprobieren.

Hahnemühle Aquarellpapiere, ich häufig nutze (c) FRank Koebsch
Hahnemühle Aquarellpapiere, ich häufig nutze (c) FRank Koebsch

Wenn Sie meinen Blog verfolgen, werden Sie gelesen haben, dass ich zu 90% Papiere von Hahnemühle nutze. Ich kann die verwendeten Aquarellpapiere zu 100% empfehlen. 😉

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Vielleicht suchen Sie noch weitere Anregungen. Dann möchte ich Ihnen folgende Artikel empfehlen, die bisher von mir in der Zeitschrift „Palette und Zeichenstift“ erschienen sind:

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P.S.:

So ganz falsch kann ich mit meinen Überlegungen nicht liegen. Denn während unseres Urlaubes in Malmö erreichte mich eine Mail von meinem Kollegen Martin Lutz, mit einem Lob für den Artikel. Ein feedback über das ich mich sehr freue, denn ich bewundere die Aquarelle mit den Menschen von Martin Lutz. Mit seiner Malweise zaubert er Personen wunderbar locker und mit einer hohen Ausstrahlung auf „sein“ Aquarellpapier.

Aquarellpapier

Aquarellpapier

Die Suche nach dem richtigen Aquarellpapier

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Pinsel und Farben / neue Palette
Pinsel und Farben / neue Palette

Die Wahl des Aquarellpapiers beeinflusst die Malweise und damit auch das fertige Aquarell. Immer wieder bekomme ich Anfragen, wie ich dieses oder jenes mache, wie ich Lasuren aufbaue oder mit den Verläufen arbeite. Egal ob nun Malschüler oder Menschen, die Freude an der Aquarellmalerei haben oder die  meine Videos z.B. Aquarell Step by Step – Faszination Karussell als Video oder Aquarell einer Distel von Frank Koebsch – step by step sehen, stellen dieses Fragen. Oft habe ich das Gefühl, dass als Antwort ein ganz einfaches Rezept erwartet wird, das jeder sofort umsetzen kann. Nun die Antwort ist auch ganz einfach, nur setzt sie voraus, dass die gleichen Aquarellfarben, die gleichen Pinsel und das gleiche Papier genutzt wird. Die Frage nach der besten Aquarellfarbe? habe ich schon beantwortet, bei Aquarellfarben benutze ich zu 90% Schmincke. Diese Antwort gilt unabhängig von der Wahl des Motivs oder ob ich auf Aquarell auf Leinwand oder verschiedenen Papiere male. Bei den Aquarellpinseln ist die Antwort nicht ganz so einfach, es kommt sehr stark auf die Malweise und das Motiv an. Aber welches Papier sollte man nutzen?

Aquarellpapier (c) Frank Koebsch
Aquarellpapier (c) Frank Koebsch

Arten von Aquarellpapier

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Ich hatte bereits in dem Artikel Papier in der Aquarellmalerei ein wenig zu diesem Thema geschrieben. Aber es gibt eine sehr große Anzahl von Papierherstellern, jeder stellt Papiere mit unterschiedlichen Qualitäten und Oberflächen her und nutzt auch noch unterschiedliche Bezeichnungen. Die verschieden Oberflächen werden z.B. eingeteilt in Satiniert, Feinkorn, Grobkorn, Matt, Rau, Torchon, …. Jeder kann sich durch Fühlen und Sehen einen Eindruck von den verschiedenen Oberflächenstrukturen verschaffen. Aber wenn man wissen will, wie sich die Farben auf den verschiedenen Papieren verhalten, spielt noch eine weite Eigenschaft eine Rolle – die Saugfähigkeit des Papiers, die mit der Verarbeitung unmittelbar zusammen hängt. Satinierte Papiere besitzen eine „glatte“ Oberfläche, die durch mehrmaliges Walzen der Papiere entsteht. Die Oberfläche eines satinierten Papiers nimmt damit aber viel weniger Wasser auf, wie ein handgeschöpftes Papier, ein Büttenpapier. Die Erklärung hierzu ist einfach, denn durch das Walzen und Pressen, werden die Papiere zusammen gedrückt und die auch die Papierpartikel an der Oberfläche ausgerichtet. Dann gibt es noch die Begriffe heiß- und kaltgepresst. Dieses sind weitere Spezifikationen für das Satinieren. Beim Satinieren / Pressen mit Hitze entstehen freikörnige Papiere. Wird das Satinieren ohne Hitze entstehen matte oder raue Papiere. Dann gibt es noch die Möglichkeit bei Pressen der Papiere ganz bewusst verschiedene Oberflächen im Papier zu erzeugen, seien es Rillen oder Gitterstrukturen. Die bekannteste Bezeichnung hierfür ist der Begriff – Torchon. Torchon bezeichnet eine Oberflächenstruktur, die man am ehesten als grobe Leinenstruktur bezeichnen kann.

Papierauswahl (c) Frank Koebsch
Papierauswahl (c) Frank Koebsch

Oft liest oder hört man, dass ein Künstler nur satiniertes Papier benutzt. Diese Aussage ist wenig wert, denn sie besagt nur, dass kein handgeschöpftes Papier genutzt wird. Diese Aussage lässt offen, ob es ein raues, mattes, feinkörniges Papier ist und möglich noch eine besondere Oberfläche, wie das Torchon hat.

Dazu kommt noch, dass sich die Papiere mit gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen verschiedener Hersteller durch aus ganz verschiedene Eigenschaften beim Aquarellieren haben können.

Fazit:

  • Die verschieden Oberflächenstrukturen der Papiere beeinflussen das Fließverhalten der Aquarellfarben sehr stark.
  • Die Brillanz, die Leuchtkraft eines Bildes wird bei gleichem Farbauftrag  u.a. dadurch beeinflusst, wie saugfähig ein Papier ist.

Grammatur des Aquarellpapiers

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Hahnemühle Echt-Bütten Aquarellkarton „Leonardo“
Hahnemühle Echt-Bütten Aquarellkarton „Leonardo“

Ich male „nur“ auf Papieren mit einem Gewicht von 300 g / m2 und mehr. Nicht weil man auf dünnerem Papier nicht malen kann, sondern weil ich faul oder bequem bin. Ich möchte nicht das dünne Papier vor dem Malen einweichen und aufleimen oder auf einem Brett verkleben müssen. Ich arbeite meist auf Papieren mit einem Gewicht von 300 g / m2 auf rundum verleimten Blöcken. Durch die Wahl dieses Papiergewichtes auf rundum verleimten Blöcken verhindere ich, dass sich das Papier stark wellt, auch wenn ich meine Aquarelle Nass in Nass male.

Mit der Wahl des Papiergewichtes von 300 g / m2 und mehr, wähle ich in der Regel auch weitere Eigenschaften des Papiers. Die schweren Papiere nehmen mehr Farbe auf, ich kann mehrere Farbschichten als Lasuren übereinander legen, ohne dass das Bild stumpf wirkt. Ich kann Teile des Bildes wieder auswaschen, ohne dass die Papieroberfläche in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die Wahl des Aquarellpapiers

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Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur entsprechend dem gewählten Papier eine passende Malweise. Bei der Suche nach dem für Sie richtigen Aquarellpapier sollten Sie sich Zeit lassen. Meine Empfehlung ist, verzichten Sie auf Billigpapiere und die Hausmarken der Großhändler. Diese Papiere können gut sein, doch ob es diese Papiere in drei oder zwölf Monaten noch in der gleichen Qualität vom selben Hersteller gibt, ist fraglich. Ich habe mich in der Regel über diese Papier geärgert und nutze die Restbestände als Schmierpapier. 😉

Kaufen Sie auch nicht gleich mehrere Blöcke oder Bögen des teuersten Papiers. Meine Empfehlung ist es, fragen Sie Bekannte, andere Malschüler, Mallehrer, Künstler, ob Sie zwei / drei Blatt des Papiers bekommen können, dass Sie interessiert oder Ihnen empfohlen wird. Probieren Sie verschiedene Papiere aus, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, welches Papier Ihnen liegt. Die Wahl des Papiers wird ganz wesentlich dadurch bestimmt, welche Mahlweise Sie nutzen, was Ihnen liegt. Wenn Sie Malschüler sind und erst wenig Erfahrung haben, sollten Sie grundsätzlich das empfohlene Material Ihres Kursleiters nutzen. Bitte Sie in den Kursen, immer wieder darum, dass ein wenig Materialkunde gemacht wird, dass Sie die Chance haben Dinge zu hinterfragen und auszuprobieren.  Ausprobieren ist wichtig, extrem wichtig, denn man muss ein Gefühl dafür haben,

  • wann und wo mache ich das Papier nass, bevor ich den ersten Farbauftrag auftrage,
  • wann gebe ich bei einer Malweise Nass in Nass Farbe hinzu,
  • wie kann ich zu mindestens grob, die Verläufe der Farben steuern,
  • wann kann ich die nächste Lasur auftragen, ohne dass die Farben in einander verlaufen,
  • wie viel Pigment muss ich auftragen, um den gewünschten Farbton nach dem Trocknen zu erhalten,
  • ….

Ganz sicher in diesem Fall, geht probieren über studieren. Was mich interessiert ist,

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit welchem Papier gemacht?

  • Welches Aquarellpapier ist Ihr Favorit?

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P.S. Hier finden Sie die anderen Artikel der zum Aquarellpapier