Wie ermittelt sich der Preis eines Kunstwerkes? – Teil 5

Höhere Preise für Bilder auf Leinwand?

Nun ich habe ja schon über die Überlegungen zum Thema Preisbildung vorgestellt Begonnen hatte dieses mit der allgemeinen Aussage „Es gibt keinen allgemeingültigen Maßstab für Kunst – Preise werden gemacht.“ Ich hatte dann auch einige Informationen und eine Bewertung über Sinn und Unsinn des Programms TAX SIM– ein Simulationsprogramm für die Preise für Kunst zur Verfügung gestellt. In Zusammenhang mit der Simulation habe ich bisher zwei Fragestellungen diskutiert:

Was mich weiterhin interessiert sind Aussagen zu dem Thema Aquarelle, Pastell. Nun auf diese Fragestellungen gibt das Programm leider keine Antwort, denn es werden folgende Möglichkeiten angeboten

  1. Öl oder Acryl auf Leinwand
  2. Öl oder Acryl auf Papier
  3. Öl oder Acryl auf sonstigem Material
  4. Gouache auf Papier
  5. Blei- / Farbstift auf Papier
  6. Druckgrafik (Auflage)
Höhere Preise für Bilder auf Leinwand ?
Höhere Preise für Bilder auf Leinwand ?

Nun was nahe liegend ist, wäre als Aquarellist die Wahl Gouache auf Papier. Aber da ich Aquarelle auf Papier und Leinwand male, habe ich mit den Varianten 1 und 2 die Simulation genutzt. Das Ergebnis war erschreckend. Das Programm warf mir als Ergebnis folgendes aus:

Wenn der bekannte 50jährige erfolgreiche freiberufliche Künstler mit Abschluss eines Kunststudiums und einer langen Ausstellungserfahrung von 25 Jahren

  • ein Bild auf Leinwand malt – ergibt sich ein simulierter Preis von 1616
  • das „gleiche“ Bild auf Papier malt – ergibt sich ein simulierter Preis von 808.

Ich wollte es kaum glauben. Ein Bild soll dadurch, dass der gleiche Künstler es in gleicher Technik auf Leinwand gemalt wurde, doppelt zu viel wert sein!!! Damit und ergeben sich Fragen über Fragen:

  • Warum ist ein Bild auf Leinwand soviel mehr wert als auf Papier?
  • Ist dieses in unserer Kultur so hinterlegt, ein hochwertiges Bild – ein Gemälde muss auf Leinwand gemalt sein?
  • Was ist mit den alten Meistern und heutigen Künstlern, die z.B. auf  Holzuntergrund malen?
  • ….

Doch bevor ich die Kunstgeschichte bemüht habe, habe ich mir die Teilergebnisse der Simulation angeschaut. Das Programm bewertet mit Hilfe von 4 Faktoren für

  • das Werkes,
  • den Künstler,
  • die Medien.
  • den Ausstellungsbetrieb.

Die sich ergebende Frage lautet damit: Welche Auswirkungen hat der Maluntergrund (Leinwand oder Papier) auf für einzelnen Faktoren?

  • Wertfaktor
    • Bild auf Leinwand        840
    • Bild auf Papier             420
  • Künstlerfaktor
    • Bild auf Leinwand        248
    • Bild auf Papier             124
  • Medienfaktor
    • Bild auf Leinwand        296
    • Bild auf Papier             148
  • Faktor für den Ausstellungsbetrieb
    • Bild auf Leinwand        232
    • Bild auf Papier             116

Wenn der gleiche Künstler gleiche Bilder auf unterschiedliche Medien malt, sind für mich die Ergebnisse sehr zweifelhaft. Warum?

  •  Künstlerfaktor: Wird man nur dadurch, dass man auf Leinwand mit der gleichen Technik statt auf Papier, malt ein besserer Künstler?
  • Medienfaktor: Werden die Medien dadurch, dass z.B. Bernhard Vogel seine Mixed Media Bilder statt auf Papier auf Leinwand malt, statt in einem kleinen Artikel auf vier Seiten in Hochglanz berichten?
  • Faktor für den Ausstellungsbetrieb: Wird dann eine Ausstellung z.B. von Günter Grass doppelt so gut besucht, wenn er konsequent nur auf Leinwand malt?
Sind Bilder auf Leinwand doppelt soviel wert?
Sind Bilder auf Leinwand doppelt soviel wert?

Hieran wird keiner glauben. Oder?

Spaß bei Seite, dieses ist neben dem negativen Künstlerfaktor für einen Hobbykünstler der zweite elementare Bewertungsfehler des Programms.

P.S. Nehmen Sie meine Ausführungen hier mit einem Augenzwingern , wenn Sie wirklich wissen wollen, wie man Preise für Kunst macht, kann ich nur das Buch „Das kann ich auch! Gebrauchsanweisung für moderne Kunst“ empfehlen.

P.P.S. die obige Grafik habe ich mit Unterstützung von 123gif.de erstellt.

Wert und Preis unserer Bilder

Ich hatte in der Vergangenheit schon Beiträge geschrieben, die sich mit der Wertschätzung für das Aquarell beschäftigt haben, aber auch mit den Themen Kalkulation, Kosten und Preis

Heute bin ich über einen Artikel zum aktuellen Kunst in der Berliner Morgenpost gestolpert.  Hier werden Aquarelle und Pastelle der bedeuteten Maler der jüngsten Geschichte in der Range von 30.000 bis 80.000 € angeboten. Dieses wäre das Ziel für uns….

Aber was soll´s ?  Wir ziehen vor Ehrfurcht vor Max Liebermann, Mentzel, Schmidt-Rottluff u.a. den Hut.

Aber wir müssen trotzdem unsere Preise überdenken. Warum?

  • Der Aufwand für unsere Bilder ist gestiegen.
  • Die Materialkosten haben sich in einigen Bereichen fast verdoppelt.
  • Die Nachfrage nach unsere Bildern ist so groß wie noch nie.

Also werden wir wohl zum Anfang des Jahres an der Preisschraube drehen, um die Kosten zu decken. Die Menschen, die bereits Bilder von uns haben, werden diese wohl auch trotz der vermeintlichen Wertsteigerung weiter behalten,  denn als  Spekulationsobjekte taugen unsere Bilder nicht. Der Wert eines Bildes von uns wird immer noch in der ganz persönlichen Verbindung des Betrachters zu dem Motiv, seinen Erinnerrungen, Wünschen und Träumen liegen. Der Preis ist auf unserer Seite eine kalkulatorische Größe, um den Aufwand zu decken.

Manchmal passen Sachen zusammen und ringen Respekt ab

Nun vor einigen Tagen hatte ich zum einen über die 9. Rostocker Kunstnacht berichtet und die Produzentengalerie artquarium, Große Wasser Str. 1 hervorgehoben.
Zum anderen hatte ich im Zusammenhang mit der Zeitschrift atelier, die Aussage gemacht:„…um ein Kunstwerk zu Geld zu machen, haben in der Regel 90 % des Aufwandes hierfür nichts mit der Erstellung oder Schaffung des Kunstobjektes zu tun.“

Am Sonnabend den 10.07.2009 gab es in der Ostseezeitung eine Seite zum Thema Selbstständigkeit und Existenzgründung. Unter der Überschrift „Schmuckdesignerin beweist Durchhaltevermögen“ wurde Anna Silberstein und die Produzentengalerie artquarium vorgestellt. Frau Silberstein bemängelt als Selbstständige Schmuckdesignerin in dem Artikel, dass während Ihres Studiums Marketing, Akquisition, Kundenpflege, Kalkulation nicht enthalten war.

Schade, denn gerade selbstständige Künstler müssen sich und Ihre Werke anders anbieten und vermarkten als Selbstständige / Handwerker, die Waren des täglichen Bedarfs herstellen. Warum:

  • Waren des täglichen Bedarfs z.B. Brot, Brötchen braucht jeden Mensch und muss Geld dafür ausgeben.
  • Der Preis lässt sich recht gut kalkulieren und regelt sich auf Grund des Angebotes auf dem Markt. Jeder Käufer und Verkäufer kennt die Qualitätsanforderungen und Preisspanne innerhalb der die Produkte verkauft werden.
  • Doch bei der Kunst ist alles anders.
    • Kunst braucht der Mensch nicht unmittelbar zum täglichen Leben und muss auch nicht täglich dafür Geld ausgeben.
    • Wie kalkuliert man den Preis eines Kunstwerkes? Nur nach den direkt zu zuordnenden Kosten, wie Material, Zeit für die „Herstellung“, Miete des Ateliers….
    • Wie wird die Qualität eines Kunstwerkes ermittel?
    • Welchen Wert hat dieses Kunstwerk für den möglichen Käufer? Ist dieser Wert stabil, wird er steigen oder ins Bodenlose fallen?

Wenn man den Artikel in der OZ über Frau Silberstein und die Artikel in der Zeitschrift atelier liest, kann man durch aus schnell zum Schluss kommen: Die Kunsthochschulen und auch die Kunstverbände haben einen großen Nachholbedarf im Bereich Unterstützung für die Selbstständigkeit, Vermarktung, Betriebswirtschaft u.a.. Oder?

Umso mehr wächst mein Respekt vor den Künstlern, die von Ihrer Kunst und der Tätigkeit um Ihre Kunst herum leben können. Also gilt meine Hochachtung unbekannterweise auch Frau Silberstein und die vier Ihrer Kolleginnen.

Welche Zeitung / Zeitschrift …

Ab und zu schaue ich auch in „DIE ZEITSCHRIFT FÜR KÜNSTLER – atelier“. Es ist ein recht dünnes Heft, aber so manches darin lese ich mit Genuss, Schmunzeln, lautem Lachen, Kopfschütteln, Interesse ….. Hier ein kleiner Exkurs und etwas Diskussion zu der aktuellen Ausgabe „Juni / Juli 2009“.

Was wirklich gut ist, ist der Überblick an Kunstwettbewerben, den die Zeitschrift direkt oder im Internet gibt. Schade ist nur, dass die Bewerbungstermine in der Regel recht Knapp nach dem Erscheinen liegen.

Wenn man die Artikel oder Ankündigungen der Wettbewerbe liest, kann es schon zu allen oben genannten Reaktionen kommen. Warum: Es sind gut beschriebene Wettbewerbe und informative Artikel zu dieser Themengruppe dabei, z.B. in der Ausgabe Juni / Juli 2009 von Hahnemühle, der HSH Nordbank, der Kunstpreis „1/Award“ und und …
Bei anderen Ankündigungen treten bei mir als Leser viele Fragezeichen auf, z.B. wenn der Inhalt der Ankündigung und evt. auch des Wettbewerbs zu dünn ist. Es gibt Ankündigungen von Wettbewerben, Stipendien u.a., in denen Ansprechpartnern, Kontaktmöglichkeiten und inhaltlich zum Wettbewerb kaum substanzielles zu finden ist.

Was gibt es noch zu der Zeitschrift zu sagen? Da ich ja einen „ordentlichen Beruf“ nach gehe, verwundern mich viele Dinge in den Artikeln, Fragen und Anzeigen. Ich habe manches Mal das Gefühl, Künstler leben in einer Art Parallelgesellschaft. Warum? Nun, irgendwie weiß man, dass das Geld nicht so einfach aus dem Geldautomaten kommt und in der Regel zwischen den Herstellungskosten und dem Verkaufspreis eine Riesenlücke klafft. Nicht weil der Verkäufer ein Verbrecher ist – ich arbeite im Vertrieb ;-), sondern der Aufwand für Lagerhaltung, Transport, Kapitalkosten, Marketing, Verkauf, Service und und … muss gedeckt werden. Bei technischen Gütern sind oft nur 10% des Verkaufspreises Kosten, die mit der direkten Herstellung zu tun haben. Oder anders rum, um ein Kunstwerk zu Geld zu machen, haben in der Regel 90 % des Aufwandes hierfür nichts mit der Erstellung oder Schaffung des Kunstobjektes zu tun. Wenn ich in der Vergangenheit so manchen Artikel in der atelier gelesen habe, habe ich das Gefühl, dass dieses vielen angehenden Künstlern keiner sagt – incl. der in den letzen Ausgaben der Zeitschrift vorgestellten Kunsthochschulen oder etliche Künstler es nicht wahr haben wollen. Eine Erklärung in dieser Richtung gibt auch Ralf Witthaus in seinem Artikel „Die Zahlen hinter der Kultur“. Er zeigt die Wertschöpfung der „Keativen“ auf und auch zu gleich das Gap bei der Vermarktung. Hoffentlich ist der beschriebenen Expertengruppe und der Bundesregierung klar, dass die so genannte Hilfe zur Selbsthilfe ohne Impulse aus anderen Branchen nur schwer funktionieren wird. Denn sich nur im eigenen Saft zu drehen, ist nicht Ziel führend. Aber interessant ist auf jeden Fall, dass die Wertschöpfung der „Kreativen“ dargestellt wird und die bestehenden Probleme zusammen gefasst und beschrieben werden.

Nun ja, was dann immer hilft, ist das Lesen der „Reportagen“ von Jürgen Raap. So manche Geschichte habe ich von ihm mit Schmunzeln gelesen. Auf jeden Fall gehört hierzu auch der Artikel „International und promigeil“.
Beim Lesen der Rubrik Grauzone bewahrheitet sich ein böser Spruch: Die Dummheit der Menschen, ist der wertvollste Rohstoff, denn die Lamadeckenkäufer sterben nicht aus.

Was man auch auf jeden Fall verfolgen sollte, ist das Thema Urheberrecht und Google u.a. Was sich hier zusammen braut, hat auf die bildenden Künstler einen genauso großen Einfluss, wie die Börsen im WEB zu kostenlosen Musik load. Die Umsätze der Plattenlabels und Musiker sind drastisch zusammen gebrochen, weil es einfach cool war (ist) kostenlos Musik zu laden. Hier kann ich die Künstler und Verbände nicht verstehen, dass Sie nicht rigoroser gegen die kostenlose Nutzung Ihres Eigentums vorgehen.

Nun ja dieses war mal ein Exkurs weit weg von der Aquarellmalerei. Aber um Kunst zu vermarkten, sich zu präsentieren, bedarf es Informationsquellen, wie z.B. Zeitschriften …