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Welche Bedeutung haben Vorlagen für ein eigenständiges Bild?


Die achte Etappe unserer Blogparade: 10 Fragen zu Kunst

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Helen Königs hat Anfang der Woche in ihrer Blogparade gefragt: „Welche Bedeutung haben Vorlagen für die Entstehung eines eigenständigen Bildes?” Spielt es eine Rolle ob ich z.B als Vorlage direkt vor der Natur male/zeichne, eine fremde oder eigene Fotografie nutze, nach einer Skizze arbeite, aus erinnerten und inneren Bildern schöpfe, oder Verschiedenes mixe? Sollte die Wahl der Herangehensweise auch ein Kriterium für den Wert eines Bildes sein? Oder können die unterschiedlichen Methoden, wonach ein gemaltes oder gezeichnetes Bild entsteht, gleichwertig nebeneinander stehen; zählt nur das Ergebnis?

Göhrener Aussicht (c) Aquarell von Frank Koebsch

Göhrener Aussicht (c) Aquarell von Frank Koebsch

Nur ca. 10% meiner Aquarelle entstehen vor Ort, plein air. Es macht riesigen Spaß in besondere, wenn man zusammen mit anderen malt, wie z.B. hier an der Stadtmauer von Rostock mit Andreas Mattern und Frank Hess oder hier auf einer Malreise auf Rügen mit Oskar Brunner. Das Malen vor Ort hat seine Vorteile, die Eindrücke beim Malen vor Ort sind intensiver. Der Maler wird durch den Gesamteindruck beeinflusst, das Licht, Wind, der Geruch, die Geräuschkulisse beeinflussen die Gesamtwahrnehmung. Das Malen vor Ort ist ursprünglicher und hat einen sehr großen Einfluss auf das entstehende Bild. Als ein Beispiel für eine solche Arbeitsweise habe ich das Aquarell Göhrener Aussicht eines meiner Rügen Aquarelle ausgesucht. Hier finden Sie ein paar Fotos die beim Malen des Aquarells entstanden sind.

Aber das Malen vor Ort hat auch seine Nachteile. Man muss Zeit und Muße haben. Wer schon mal mit Wind, Regen, Mücken, Hitze, Kälte beim Malen gekämpft hat, schätzt dann auch die Arbeit zuhause oder im Atelier. Viele unterschätzen auch das sich veränderte Licht im Laufe des Tages und wundern sich, dass einen unbeteiligten Betrachter sofort auffällt, dass etwas mit Licht und Schatten im Bild nicht stimmt ;-) Das Malen plein air macht Sinn bei Landschaftsmalerei, Bilder von Dörfern und Städten u.a. Doch bei sich stets ändernden Motiven für meine Aquarelle, wie Kraniche, Möwen, Kindern auf einem Karussell, Aquarelle mit Motiven aus dem Bereich Ballett und Tanz oder Jazzmacht es Sinn vor Ort zu skizzieren oder zu fotografieren. Ich zeichne und skizziere nach meiner Einschätzung zu wenig. Ich  erkunde meine Motive mit meinen Kameras und sammle die Fotos auf meiner Festplatte. Dann irgendwann wenn ich Lust auf dieses Motiv habe, setze ich mit den Fotos auseinander. Ich arbeite wenn es immer geht mit eigenen Fotos. Weil ich durch die Beschäftigung mit meinen Fotos einen Teil des Gesamteindruckes, das Licht, Wind, der Geruch, die Geräuschkulisse, die Stimmung,… wieder  abrufen kann.

Die ersten Blüten der Magnolie (c) Aquarell von Frank Koebsch

Die ersten Blüten der Magnolie (c) Aquarell von Frank Koebsch

Eine Geschichte, die in diesem Zusammenhang für meine Arbeitsweise typisch ist, ist die Entstehung des Aquarells Die ersten Blüten der Magnolie. Ich hatte in einem Interview erzählt, wie dieses Bild entstanden ist. Ich hatte die Nase voll von dem Grau des Winters, sehnte mich nach dem Frühling, habe meine Fotos im ICE nach München rausgesucht und im Hotel, das Aquarell gemalt.

Indian Summer am Tegernsee (c) Aquarell von FRank Koebsch

Indian Summer am Tegernsee (c) Aquarell von FRank Koebsch

Manchmal, z.B. bei Auftragsarbeiten, arbeite ich auch mit fremden Fotos. Dieses fällt mir dann schon schwer und brauche eine ganze Zeit, um in das Motiv hineinzukommen. Aber manchmal ergeben sich doch gute Ergebnisse wie hier das Aquarell Indian Summer am Tegernsee ;-) Fotos ermöglichen, wenn man nicht für die Auftragsarbeit vor Ort sein kann und einen guten Standort für ein Bild wählen kann auch, die Möglichkeiten von Montagen. Mit Erfahrung, künstlerischer bei der Motivgestaltung und einer Einarbeitung können so auch nach fremden Fotos gute Aquarelle entstehen.

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Schauen Sie mal auf den Blog von Helen Königs und beteiligen Sie sich an der Diskussion, es lohnt sich, denn am Sonntag wird Helen ein Überraschungspaket der Fa. Hahnemühle und ihr Acryl auf Pizzakarton verlosen.

Helen Königs„Strandhaus 6″,Acryl auf Pizzakarton; genäht auf  Passepartout, 15 x 15 cm, 2011

Strandhaus (c) Acryl auf Pizzakarton Helen Königs

Strandhaus (c) Acryl auf Pizzakarton Helen Königs

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Hier finden Sie noch einmal alle Teilnehmer der Aktion: 10 Fragen zur Kunst

Großstadtheidi + Hellen Königs + Frank Hess + Anna Schüler Conny Niehoff + Andreas Mattern + Susanne Haun + Oliver Kohls + Frank Koebsch + Rosi Geisler

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  1. 11. Juni 2011 um 18:48

    Ein toller Artikel zum Thema Frank! Deine Göhrener Aussicht finde ich total…ähm gefällt mir total gut, die Felder die wie Wellen zum Meer führen, die beiden Bäume wunderbar platziert. Besonders gefällt mir an dem Artikel, dass Du geschrieben hast, dass es schwierig ist nach einem fremden Foto ein gutes eigenes Werk zu schaffen; genauso sehe und erlebe ich es auch, es ist nicht leichter sondern schwerer!
    ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und sende viele Grüsse

    • 12. Juni 2011 um 18:01

      Hallo Helen, Danke für Deine Antwort auf meinem Blog. Tja Fotos und die Malerei. Ich kenne Leute, die schimpfen wie ein Rohrspatz zu diesem Thema. Es sei keine richtige Kunst. Wer will uns vorschreiben, was Kunst ist? ;-) Ich fühle mich wohl damit. Es gibt so gar etliche sehr anerkannte Maler, die die Fotos mit einem Projektor oder Beamer direkt auf das Papier oder die Leinwand werfen und dann übernehmen. Dieses passt nicht zu mir. Ich mag ein wenig mehr arbeiten, aber wenn Möglich nach eigenen Fotos und ab zu mal auch draußen vor Ort…
      Ich wünsche Dir ebenfalls noch ein schönes Pfingstwochenende.
      Frank

  2. 12. Juni 2011 um 17:25

    Lieber Frank, auf Helens Blog habe ich dazu Folgendes geschrieben: Jeder hat seine individuelle Vorgehensweise, um mit seinen maltechnischen und inhaltlichen Ideen seine Bildthemen interessant und möglichst eigenständig wiederzugeben.Ich persönlich denke, der eigene Stil kann sich am besten entwickeln, wenn man möglichst frei von äußeren Einflüssen die eigenen Bilder sucht und entwickelt.
    Ich finde, das Abbilden direkt in der Natur, plein air, wirkt immer individuell, die Bilder bekommen automatisch ihren Stil, bzw. den des Malers. Denn der Fokus liegt hierbei im Beobachten und “Interpretieren” des Motivs, und nicht nur in der Darstellung des Gezeigten. Für diese Methode muss man also gut beobachten und zeichnen können.
    Ein Foto dagegen zeigt immer nur einen winzigen Ausschnitt, es zeigt zwar die Oberfläche und Materie, aber das Wesentliche erfahre ich erst wenn ich mich länger mit dem Motiv beschäftige, es sozusagen “erlebe” und meine Emotionen und Eindrücke durch den Pinsel auf die Leinwand bringe.
    Eine weitere Möglichkeit ist ja auch, beides zu kombinieren, also Natur und Foto zu einem Bild oder einer Zeichnung zu vereinen.
    LG von Rosie

    • 12. Juni 2011 um 17:54

      Hallo Rosie,
      danke für Deine Zeilen. In einigen wichtigen Dingen stimmen wir sicher mit vielen anderen überein. Jader muss seine Möglichkeiten finden. Das Beobachten eines Motives vor Ort ist das wichtigste. Hierbei saugt man die gesamte Umgebung mit allen Reizen auf, nicht nur das Optische. Jeder sollte auch das Malen vor Ort unbedingt probieren. Viele Bilder, die vor Ort begonnen wurden, bekommen mit ein wenig Abstand den letzten Schliff im Atelier. Ich mache vor Ort lieber 100 Fotos bei verschieden Lichtstimmungen. Es sind oft nur Schnappschüsse manchmal über mehrere Tage, Wochen, Monate, Jahre und dann gehst los. Dieses ist aber mein individueller Weg, meine Interpretation. Ein anderen geht einen anderen. Hier kann ich dir nur zustimmen. Kunst lebt immer durch die Vielfalt ;-)
      Beste Grüße – FRank
      P.S. Ich habe meine Interpretation der Natur, Foto und Aquarell schon zusammen gebracht ;-) http://frankkoebsch.wordpress.com/2011/05/22/desensibilisierung-%E2%80%93-ein-lowenzahnaquarell-auf-leinwand/

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